Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Auseinandersetzung־ mit der ״dialektischen Theologie'1 349 3, 15.) Entscheidung für Gott kann daher nicht den Sinn haben, sich unaufhörlich einer paradoxen Situation, der des Dennoch- Angesprochenwerdens, bewußt zu sein. Vielmehr ist dieses Angesprochensein durchaus der Schöpfungsqualität des Men« sehen angemessen und durch keinen Sündenfall (das Dogma des Sündenfalls ist es ja, das den ewigen Widerspruch begründet, Dogm. S- 257) ins Paradoxale verwandelt. Daß der dialektischen Theologie das Bewußtsein von der Schöpfung mangelt, ist mit Recht bereits mehrfach bemerkt worden7. Es ist daher im Grunde gar keine echte Ich״Du״Beziehung, die zwischen Gott und Mensch waltet, sondern, in radikaler Entwertung alles Ge״ schöpflichen, die Setzung der ausschließlichen Alleinwirklich״ keit Gottes8. Das jüdische Bewußtsein hingegen hält das echte Geschehen der Offenbarung als einer Begegnung dadurch auf« recht, daß es das Wissen um die Schöpfung bewahrt. Diese Schöpfungsqualität steigert sich für das jüdische Erwähhings״ bewußtsein dadurch, daß hier das adamitische Kindschaftsver״ hältnis der Menschheit im Akt des ״Bundes" erneuert und be״ siegelt wird. Jedes Herausfallen aus der Schöpfung ist damit vereitelt. Aber auch die spezifische Qualität als Jude, das heißt als Bundespartner Gottes, ist unverlierbar. ״Kinder seid ihr dem Ewigen, eurem Gotte, — selbst wenn ihr Kinder seid, in denen keine Treue ist." (b. Kid. 36a.) Hier geht es überhaupt nicht um Entscheidung, sondern um Treue, Festhalten, Emuna. Die Entscheidung als konstituierender Akt ist hier deshalb nicht ge״ fordert, weil dieser Akt bereits geschehen ist, und zwar als vor dem Einzelleben in der Urgeschichte des Volkes ergangene Be״ rufung und Antwort9, 3. Der Begriff der ״Urgeschichte". (Dogm. § 15 und pass.) Ursprünglich von Franz Overbeck10 als geschichtswissen« 7 H. W. Schmidt, Zeit und Ewigkeit, 1927, S. 26 ff.; Gerhard Heinzei« manm, Das Prinzip der Dialektik in der Theologie Karl Barths, Neue kirchl. Zeitschr. XXXV, S. 551 ff. Zuletzt von Leo Strauß, Philosophie und Gesetz, 1935, S. 38 ff. 8 Über die Gefahr des Umschlagens der einseitigen Transzendenz in die einseitige Immanenz — konsequente Vollendung Luthers in Nietzsche —, vgl. Erich Przywara, Ringen der Gegenwart, II, S. 555 ff. 9 Vgl. F. Rosenzweig, Der Stern der Erlösung, 1921', S. 496 ff. 10 Christentum und Kultur, S. 20 ff.