Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Auseinandersetzung* mit der ,,dialektischen Theologie“ 347 hat die Anerkennung der Offenbarung Gottes als Ereignis, als Begegnung zu treten. (Dogm. S. 226 ff., 233, 261 ff., 293 ff.) Die Nähe dieser Gedanken zu Franz Rosenzweigs Ableh״ nung des Idealismus und Aufbau einer existentiellen Ich״Du״ Theologie, zu Martin Bubers ״Ich und Du"5 ist offensichtlich, wenn sich auch für Rosenzweigs jüdisches Bewußtsein der Idea״ lismus nicht nur als unzulänglich erweist im Hinblick auf die Realität Gottes, sondern bereits falsch ist im Hinblick auf die Welt. Die ״Entscheidung", die auch im jüdischen Bereich statt״ gefunden hat, wird daher nicht ohne weiteres von der gleichen Art sein wie die ״Entscheidung", die von Barth gefordert und vollzogen worden ist. Die jüdische ״Entscheidung" wird die ״Welt" nicht so im Rücken lassen dürfen wie die Barthsche. Die Entscheidung hat hier eine grundsätzlich andere Struktur. Dort gründet das Motiv der Entscheidung in einer spezifischen Voraussetzung, die wir vom jüdischen Bewußtsein her nicht akzeptieren können: in der Lehre vom Widerspruch der Ge״ schichte gegen die Urgeschichte, des Zeitlichen gegen das Ewige. 2. Die These vom ״Widerspruch". (Dogm. § 6, 17; 18, 19.) Gott und Mensch stehen für Barth in absoluter Geschieden״ heit einander gegenüber, besser, sie stehen zu einander in einer permanenten Krisis. Gott bedeutet die an den Menschen in seiner Sündhaftigkeit immer neu ergehende Frage des ״Wo bist Du?". Aber zugleich ist diese richtende Frage schon die ver״ söhnende Antwort. Indem er fragt, ruft er nicht bloß, sondern ruft er an, schenkt er die Gnade der Versöhnung. Indem sein Ruf den Menschen zum homo viator, zum ״Menschen unter״ wegs" macht, schenkt er ihm schon die Heimat. Aber nie hat der Mensch Gott, Gnade, Heimat zu eigen, nie besitzt er die Wahrheit, nie ist Gott in seine Hand gegeben, sondern er ist immer nur Gott in die Hand gegeben. Er selbst bleibt im ״Widerspruch" gefangen. (Dogm. S. 206, 328.) Das ist sein Menschsein, daß es konstituiert ist durch das Bewußtsein dieses Widerspruchs. Dieser Widerspruch selbst aber ist die durch 5 Gegarten erklärt sich im Vorwort von ״Glaube und Wirklichkeit“ ausdrücklich dieser Schrift Bubers verpflichtet. 2S*