Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Auseinandersetzung mit der "dialektischen Theologie"
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
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346 Alexander Altmann gar ״erklärt", noch historistisch aus seiner Einmaligkeit in die geschichtliche Kontinuität hineingezogen und damit relativiert werden. Die Entschiedenheit, mit der hier die Hybris des Idea« lismus verneint und das Feld der Geistesgeschichte überhaupt verlassen wird, um den Schritt in die ״Urgeschichte" zu voll« ziehen, ist als Entschiedenheit nicht nur Pathos des Ausdrucks, sondern eben ganz und gar Entschiedenheit, Entscheidung. Sie ist als Bruch mit dem Idealismus die entschlossene Hinwendung zum ״Du". Es geht um die Frage: Sich«sagen«lassen oder sich« selbst«sagen3. Der Idealismus versagt vor der Wirklichkeit des Du. Hier spricht eine neue Haltung des ״Verstehens", die die dialektische Theologie geistesgeschichtlich in die Nähe einer Gruppe rückt, die auch vom Philosophischen her das Problem des Verstehens neu gestellt hat. Freilich geht es für Barth um mehr als um das Verstehen, eben um die existentielle Entschei« düng. Vor der Phänomenologie des christlichen Bewußtseins steht ihm der Glaube an die Wi rkllchkeit des Ausgesagten. (Dogm. S. 225 ff.) Das durch die anthropologische Theologie Feuerbachs bezeichnete Problem, das in dem mangelnden theo« logischen Selbstbewußtsein Schleiermachers und der ganzen neueren Zeit zum Ausdruck kommt, wird hier durch eine exi« stentielle Entscheidung, durch ״Verwegenheit" (Dogm. S. 90, 110) entschieden. Die Theologie soll wieder auf ihre eigenen Prinzipien, auf das Wort Gottes, gegründet werden. Die Theo« logie soll sich selbst wieder ernst nehmen. Das heißt aber, sie muß sich von dem göttlichen Du her, das für sie am Anfang steht, und für das sie sich zu entscheiden hat, verstehen. Ge« fordert wird also nicht nur ein echtes Verstehen des Du, sondern mehr: das Sich«selbst«Verstehen vom Du her. Von hier aus ist die enge Aneinanderbindung von Gotteserkenntnis und Nächstenliebe, wie sie besonders Gogarten betont, zu be« greifen4. An die Stelle der Konstruktion des Gottesbegriffes 3 Friedrich. Gogarten,. Theologische Tradition und theologische Arbeit, 1927. 4 Gogarten, Glaube und Wirklichkeit, 1928, S. 120 ff., 126 ff. ״Denn so hart stellt mich das Gotteswort vor den! Nächsten, so unbedingt bindet es mich an! ihn, daß es das Wort Gottes nirgends sonst gibt als dort, wo es mir von einem Menschen׳, von meinem Nächsten gesagt wird/' -־־־ Vgl. auch H. E. Eisenhuth, Ontologie und Theologie, 1933.