Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Folkloristische Beiträge
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 9)
- Language
- German
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330 J. Bergmann Es gibt Gebetsgesten, die ein Ausdruck der Ekstase sind• Clemens von Alexandrien berichtet von den Christen: Wir heben die Füße in die Höhe bei dem gemeinsamen Ausrufe, der das Gebet beendet. So ging auch von den jüdischen Mystikern die Sitte aus, bei der Keduscha zu hüpfen31; Die Mohammedaner pflegen, wenn sie den Koran lesen, Kopf und Körper unaufhörlich vorwärts und rückwärts zu bewegen. Ebenso pflegten im Judentum nicht nur die Lernenden bei dem Torastudium, sondern auch die Betenden bei der Te״ filla den Körper zu bewegen32. In Ägypten schlug man sich beim ekstatischen Jauchzen mit der geballten Faust an die Brust, während in Israel der um Gnade flehende Sünder, gleich dem Trauernden, zum Zeichen der Zerknirschung sich an die Brust schlug^3.! Außer den Gebetsgesten, die ein Ausdruck gesteigerten religiösen Empfindens sind/ gibt es im Gebet Gruß״ und Huldi״ gungssitten, die vöm Profanen ins Religiöse übertragen, Ehr״ furcht, Demut und Unterordnung ausdrücken sollen. So be״ grüßt bei den ägyptischen Mohammedanern das Kind gewöhn״ lieh den Vater am Morgen mit einem Handkuß und bleibt dann, die rechte Hand über die linke gelegt, in einer unterwürfigen Stellung vor ihm stehen; um einen Auftrag zu empfangen oder die Erlaubnis zum Weggehen zu erwarten; Die gleiche Ehr״ furcht, wie die des Kindes gegen seinen Vater; wird im islami״ sehen Gebet auch vor Gott gewahrt;;Wenn der Muslim die Anfangssure des Koran spricht, nimmt er dabei! das linke Hand״ gelenk in die rechte Hand; Die alten Gesetzeslehrer des Islam verpönten das Emporheben : der Hände bei einzelnen Stellen des Gebetes und verlangten, man solle die beiden Hände über״ einander gelegt halten, denn dies sei die Stellung des Sklaven vor seinem Herrn3*. ,Die gleiche Sitte findet sich im Judentum. Zum Gebet sich vorbereitend, warf Raba/ wie im Talmud berichtet wird, seinen Mantel hin, legte die Hände übereinander und sprach: wie der 31 Qem. Strom. VII. 7, 40; Elbogen, Der jüdische Gottesdienst 499. 32 Lane I 51; Kusari II 79; Sohar IV 218 b, 219 a; Manhig 15. 33 Heiler 2 102; Koh. r. zu 73, Lc. 18^ 34 Lane I 46; Juynboll 77 f. GoMziher in Nöldeke״Festschrift I 321.