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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 329

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 4
Article
Folkloristische Beiträge
Date
1935-01-01
Page
Seite 329 (sequence 8)
Language
German
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Folkloristische Beiträge 329 als Mädchen, weil Mädchen weniger dem Neide und dem bösen Blick ausgesetzt sind26. Der im dreizehnten Jahrhundert in Deutschland lebende Verfasser des Sefer Chassidim schrieb, das Verhalten der Juden richte sich nach dem Verhalten der Christen27. Dieses Urteil gilt nicht nur von den Juden in christlichen Ländern, sondern auch von den Juden, die in mohammedanischer Umgebung lebten. IV. Gebetsgesten. Sowohl bei den Juden als auch bei den Arabern war der Festreigen oder das Umkreisen einer heiligen Stätte üblich. Im jerusalemischen Tempel wurde! der Altar an jedem Tage des Laubhüttenfestes einmal und am siebenten Tage siebenmal amkreist28. Am Torafeste werden die ,Torarollen im festlichen Umzug siebenmal um den Almemor herumgetragen. In Mekka wird bei der Wallfahrt ein siebenmaliger Umlauf um den schwarzen Stein der Kaaba vorgenömmen29. Der Festreigen um den Altar oder das Umkreisen der heili״ gen Stätte darf als Ausdruck religiöser Ekstase gelten, kann jedoch auch als Ehrfurchtsbezeugung gedeutet werden. So wurden die persischen Könige durch ein dreimaliges Umgehen geehrt. In Griechenland wurde der Grabhügel des Toten umkreist. Bei den Juden umkreist die Braut dreimal den unter dem Trauhimmel stehenden Bräutigam. In Jerusalem und Jemen wird auf dem Friedhof die Bahre siebenmal umkreist. In Aden vollzieht man mit der Bahre sieben Umgänge auch im Sterbehaus oder im Gotteshaus. Zu dem Grabe des Salim Sabezi wallfahrten die Juden in Jemen, die Frauen weinen dort laut und umschreiten das Grab vielmals30. 26 Kobez 51 a; Larve I 47. 27 S. Chassidim 901. 28 M. Sukka 4r 5. Wenn die ägyptischen Gnostiker in Alexandrien die Epiphanie im Heiligtum der Kore begingen, holten! sie aus einem unter״ irdischen Heiligtum ein hölzernes Schnitzbild herauf irridl trugen es in sieben״ maliger Umkreisung des mittelsten Tempelraumes umher unter dem Klang von Flöten, Handpauken und Hymnen. Bpiph. haer. 51, 22; Usener, Weihnachtsfest 27 f. 29 Juynholl 148. 39 Heiler, Gebet2107; Levysohn, Mekore -Minhägim 104; Luncz I 14 Note 31; Brauer* Ethnologie der jemenitischen Juden 225. Monatsschrift, 79. Jahrgang 22

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