Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 328

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 4
Article
Folkloristische Beiträge
Date
1935-01-01
Page
Seite 328 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2830007-2830012-2839655--53574-2839720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

328 J. Bergmann in Jerusalem und Indien an dem Tage, an dem das erste Haar des Kindes geschoren wird, ein Fest gefeiert. Das Fest wird von den Juden ״Chalaka“ genannt, und schon der arabische Name des Festes bezeugt es, daß es von der mohammedänisehen Umwelt übernommen wurde22. Der Tag, an dem nach dem Durchbruch des Dammes das Wasser des Nil das Land überschwemmt, wird in Ägypten als Freudentag gefeiert. Er gilt auch bei den ägyptischen Juden als ein Freudentag, an dem das Buß gebet nicht verrichtet wird, weil der wehmutsvolle Inhalt des Gebetes die Festesfreude verringem könnte23. Die Juden in der mohammedanischen Umwelt haben nicht nur von den Gedanken der arabischen Philosophen, sondern auch vom Aberglauben des mohammedanischen Volkes gelernt. In Aleppo wallfahrteten Juden gemeinsam mit Mohammedanern und Christen zu einem Stein, unter dem ein mohammedanischer Prophet ruhen soll, sie besprengten den Stein mit Rosenwasser und anderen wohlriechenden Flüssigkeiten und weihten dort Opfer. In den Quellen, die sich in der Nähe des Grabes von Sidi Mesid befinden, badeten jüdische lind mohammedanische Frauen jeden Mittwoch, brächten Weihegeschenke dar, brannten Weihrauch und opferten Hühner24. Der zweite Monat des Jahres, $afar, gilt im mohämmedanischen Volksglauben als Unheilsmonat, weil sich in ihm die todbringende Krankheit des Propheten bemerkbar machte. Auch die Juden in Ägypten feiern im zweiten Monat des Jahres, Marcheschwari, keine Hochzeit25. Bei den ägyptischen Juden wurden die Knaben, wie Maimonides berichtet, nach Frauenart gekleidet, geschmückt und an den Händen gefärbt. Diesen von Maimonides bekämpften Aberglauben haben die ägyptischen Juden von der mohammedänischen Umwelt übernommen. Noch in der Gegenwart kleiden mohammedanische Mütter in Ägypten ihre kleinen Söhne 22 3. Az.39c; Luncz I 5, Sappir II47. * 23 Lane III 124 f. Vgl. Eisenstein, Ozar dinim 436 s. v. תחגון 24 Galdziher, Muhammedanische Studien׳ II 338, 347. 25 Juynboll 129; vgl. Eisenstein 251 s. v. מרחשון .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.