Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Folkloristische Beiträge
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 6)
- Language
- German
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Folkloristische Beiträge 327 Die Opposition gegen die Nachahmung jüdischer Sitten erstarkte im Islam. Das Lesen des Koran zur Nachmittagszeit wurde getadelt, weil die Juden zur selben Zeit ihre Schriften zu studieren pflegten. Es wurde gebilligt, an den Fasttagen schon in der Dämmerung Speise einzunehmen und das Fasten nicht, gleich den Juden, über die Grenze auszudehnen. Aus der Moschee tretend, wandte sich Otman b. al-Aswad zu der Kaaba und erhob die Hände zum Gebet. Da sprach zu ihm sein from״ mer Begleiter: Tue das nicht, denn so tun nur die Juden19. Trotzdem die Nachahmung fremder Sitten sowohl im Islam als auch im Judentum verboten wurde, hat die gegenseitige Be״ einflussung der Juden und Mohammedaner dort, wo sie zu״ sammenlebten, niemals aufgehört. Die Mohammedaner haben von den Juden gelernt, wie auch die Juden manche Sitten von der mohammedanischen Umgebung übernommen haben. Bezeichnend ist die Bemerkung des Maimonides, daß die unter den Mohammedanern lebenden Juden eine rituelle Wa״ schung vollziehen, wenn sie in der Nacht unrein geworden sind, während die Juden in den christlichen Ländern diesäs Rein״ heitsgesetz nicht beobachten20. In der Tat finden sich bei den Juden Bräuche, die sie von der mohammedanischen Umwelt übernommen haben. So wurde im talmudischen Zeitalter die Trauerfeier nur für einen ausgezeichneten Mann in der Synagoge abgehalten. Zur Zeit des Maimonides jedoch wurde in Alexandrien jede Leiche auf den Hof der Synagoge gebracht, von wo aus sie nach der Rezitation der Trauergebete auf den jüdischen Fried״ hof getragen wurde. Die Juden in Alexandrien ahmten die Mohammedaner nach, die die Leiche zuerst in die Moschee brachten und von dort nach der Rezitation der Anfangssure und der drei letzten Verse aus der zweiten Sure auf den Fried״ hof trugen21. Das Fest des Haarschneidens galt im talmudischen Zeit״ alter als heidnisch. In der Gegenwart jedoch wird bei den Juden 19 Goldziher in ZDMG 1878, 32, 346; MGWZ 1880, 29, 314; Nöldeke״ Festschrift I 321. 20 Kobez 25 b, Nr. 140. 21 Kobez 18 b Nr. 84; Laue III 159.