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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 4 · p. Seite 325

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 4
Article
Folkloristische Beiträge
Date
1935-01-01
Page
Seite 325 (sequence 4)
Language
German
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Folkloristische Beiträge 325 dem sollte man ihn nicht auf heben, da er zur Ehrung der Toten beitrage12. Der von Nachmanides und Isaak b. Scheschet erwähnte Trauerbrauch ist in der Tat mohammedanischen Ursprungs. Noch in der Gegenwart gehen in Palästina mohammedanische Frauen am Tage nach dem Leichenbegängnisse, am frühen Morgen, zum Grabe des Verstorbenen, wo sie um den Toten wehklagen, bald ruhig weinend, bald mit flatterndem Haar im Kreise tanzend. Nachdem sie ungefähr eine Stunde lang geklagt haben, gehen sie nach Hause, um am nächsten Morgen das Gleiche zu wiederholen. So halten sie es bis zum nächsten Donnerstag. Ein ähnlicher Trauerbrauch findet sich auch bei den Mohammedanern in Syrien13. Auch der hebräische Dichter Samuel ha-Nagid hat nach dem Abieben seines Bruders dessen Grab besucht und, vom Grabe zurückgekehrt, seinem Schmerz in einem Klagelied Ausdruck gegeben. Daraus darf aber nicht geschlossen werden, daß das Grab eines Verstorbenen nur am Tage nach dessen Bestattung besucht wurde. Vielmehr wurde der den Mohammedanern entlehnte Brauch während der ganzen Trauerwoche geübt. Unterschiede in den Trauerbräuchen gab es schon in alter Zeit. In Palästina wurden die Trauernden täglich in die Synagoge geführt, in Babylonien dagegen nur am Sabbat der Trauerwoche14. Der Brauch der palästinensischen Juden wurde später in Saragossa und der der babylonischen Juden in Katalonien innegehalten. Von den Mohammedanern, unter denen sie lebten, übernahmen die spanischen Juden den Brauch, während der ganzen Trauerwoche auf das Grab des Verstorbenen zu gehen und dort zu klagen. Diesen Brauch hat auch der Dich- ״ ter Samuel ha-Nagid befolgt. 111. Juden und Mohammedaner. Bei Juden und Arabern finden sich gleiche Trauersitten: bei beiden Völkern wurden die Toten ohne Sarg und sofort 12 תשובות ריב׳-ש, Konstantinopel 1576, Nr. 158. 13 Bal-däensperger in Pal. Explor. Fund, Quart. Stat. 1901, 83; Wetzstein in Bastian's Zeitschrift für Ethnologie V 1873, 296. 14 Chilluf Minhagim ed. Müller 14.

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