Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die geschlechtliche Stellung des Weibes in Gen 2 und 3
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 15)
- Language
- German
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Die geschlechtliche Stellung des Weibes in Gen 2 und 31 295 Brutalität zu tun; ebensowenig mit der Frage,, ob die Anregung allemal oder in der Regel oder gar nicht vom Mann ausgehe s. o. Einfach darum, weil hier eben nur des Weibes Verhalten ins Auge gefaßt ist. Wenn hier H. Schmidt S. 19 und 23 übersetzt und erläutert: ״Zu deinem Mann zieht dich dein Sehnen, er aber wird Herr sein über dich"", das heißt: ״das Gottesglück der Liebe treibt das Weib in den lebenslangen Dienst'", in die Sklaverei des Willens ״deines Mannes"", so wird selbst hier der Zusammenhang zwischen dem ersten und dem zweiten Satz vermißt. Der nämlieh nötigt dazu, auf dem einmal betretenen und sonst festgehallenen, dann aber auf einmal von Schmidt u. a. verlassenen geschlechtlichen Gebiet zu bleiben. Knobel meint zum Erweis dessen, daß auch der Grieche (״wie es scheint"") dem Weib eine größere Sehnsucht nach der Beiwohnung zugeschrieben habe als dem Mann, besonders auf Apollodor 36.7 verweisen zu sollen. Allein auf diesen Punkt kommt es nach dem Zusammenhang gar nicht an. Ob auch der Mann Verlangen nach dem Weibe (wie umgekehrt) trage (was 224 bekundet wird), das steht hier nicht in Frage; erst recht nicht, wessen von beiden Verlangen größer sei. Hier wird nur die Tatsache ins Auge gefaßt, daß trotz der Beschwerden der Schwangerschaft das Weib nach dem Manne verlangt. Man erinnere sich ferner, wie das spätere Judentum den Geschlechtsverkehr des Mannes immer wieder in Schranken verwies, und ähnlich das Griechentum17. Philo, De Spec. Leg. III 9 ff. tadelt am Mann die maßlose Befriedigung der Lust in der Ehe. Rabbiner bezeichnen es als unschicklich, wenn Gelehrte mit ihren Frauen ״wie Hähne"" verkehren. Oder es heißt wohl, daß zeitweilige Zurückhaltung die eheliche Liebe frisch erhalte, u. dgl.18. Näheres zu dem Gegenstand bei Isaak Heinemann, 17 Sophokles rechnete es laut Ciceros Cato major de senectute zu den Vorzügen des Greisenalters, vom Geschlechtsverkehr entbunden zu sein. 18 Man halte daneben Tacitus’ Urteil über die Juden in Hist. V 5: proiectissima ad libidinem gens, alienigenarum concubitu abstinent, inter se nihil inlicitum. Das erhärtet an seinem Teil die Notwendigkeit der Mahnungen zur geschlechtlichen Zurückhaltung.