Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die geschlechtliche Stellung des Weibes in Gen 2 und 3
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 12)
- Language
- German
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292 Julius Boehmer führt und dem Menschen damit seine Ungepaartheit zum Be״ wußtsein gebracht habe. Ist diese Vorstellung richtig, dann könnte freilich von einer etwaigen Geschlechtsgemeinschaft mit Tieren noch weniger die Rede sein, da ja je ein männliches und ein weibliches Tier schon zusammengehörten. Wohl aber konnte und sollte der Mensch ein Paar oder ihrer mehrere sich zu Arbeitsgehilfen aussuchen. In Jacobs Auffassung scheidet also an dieser Stelle das geschlechtliche Gebiet jedenfalls aus. Was er aber dann zur Ehe selbst ausführt, scheint von gewissen Unklarheiten nicht frei zu sein. So wenn er S. 100 zu 224 unterscheidet: ״Die Ehe hat Gott gestiftet, insofern er Mann und Weib geschaffen hat und will, daß das Menschengeschlecht sich fortpflanze. Aber daß dieser Mann sich mit diesem Weib unlöslich verbunden fühlt, ist sein (des Menschen) freier Wille, ein schier unbegreifliches Wunder' — so geht da der Verfasser weiter und erkennt auch an dieser Stelle (das ganze Hohe Lied, zumal 86 nicht änders) Gottes Werk (die Liebe zwisehen diesem Mann und diesem Weib läßt sich schwerlich aus freiem Willen ableiten: ״sie kommt über" beide — woher? von Gott — nicht wahr?). Das erkennt übrigens Jacob selber an (wie es scheint, unbewußt) durch das Wort ״Wunder": denn ״Wunder" ist ja doch wohl Gottes Werk xaFeloxfjv.— Und das Gleiche gilt dann mutatis mutandis, wenn Jacob fortfährt: ״Die Verschiedenheit der Geschlechter ist von Gott, ist Schöpferordnung; die Liebe zwischen Mann und Weib aber stammt aus ihnen selbst, und die Tora billigt sie und stellt sie einer Schöpfungsordnung gleich." 7. Noch ein (schon vorhin in anderem Zusammenhang gestreifter) Umstand ist hier beachtenswert, obwohl er gewöhnlieh übersehen, oder nur obenhin, aufs Geratewohl erklärt wird, nämlich daß das Weib aus einer ״Rippe" des Mannes erschaffen wird. Den Sinn dieses Vorgangs meine ich schon 1907 im ״Archiv für Religionswissenschaft" S. 317 f. aufgezeigt zu haben, daß nämlich die Rippe euphemistisch den (beim männlichen Menschen fehlenden) Geburtsweg andeute. Ein neuer Fingerzeig dahin, wie geschlechtlich der ganze Bericht Gen 2—3 eingestellt ist. Freilich durchaus — was j a nicht übersehen werden darf — innerhalb der Ehe, sogar der Einehe, was übrigens