Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die geschlechtliche Stellung des Weibes in Gen 2 und 3
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 7)
- Language
- German
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Die geschlechtliche Stellung des Weihes in Gen2 ־ und 31 287 lungen bilden vielmehr eine Einheit, welche die Ehe sowohl von ihrer gottgewollten wie von ihrer naturgebundenen, nicht min״ der von ihrer idealen als von ihrer empirischen Seite beleuchtet. 5. Die angezeigte Auffassung von עזר ist keineswegs neu, sie hat vielmehr ihre mannigfachen, zumeist aber vergessenen Vorläufer. Schon Gen Rabba 174 erläutert zu 219 f.: ״Gott ließ die Tiere paarweise an Adam vorüberziehen. Da sagte Adam: Jedes der Tiere hat einen (weiblichen) Genossen, nur ich nicht. Das nämlich bedeuten die Worte: Für den Menschen fand sich unter ihnen keine ihm entsprechende Hilfe.". Da der ״Genosse" hier כן זוג heißt, זוג aber dem griechischen ^yov oder £80$ץ5ג ent״ spricht und Paar (— zwei zusammengehörige lebende tauch leblose] Wesen) bedeutet, woher sogar das arabische £33 Gattin abzuleiten ist, so kann an dem rein sexuellen Sinn von עזר nicht der geringste Zweifel obwalten. Noch deutlicher fast ist eine Talmudstelle zu 223r die auch Raschi übernommen hat (nur findet sie sich nicht in allen Ausgaben), nämlich Jebamoth 63ä: ״Dieser Vers lehrt, daß Adam vorher mit allen Haustieren und wildlebenden Tieren Gemeinschaft gehabt, dabei sich aber nicht befriedigt fühlte, bis daß er sich mit Eva verband." Wir können und wollen die Schwierigkeiten und Anstöße, die mit dieser Auffassung gegeben sind, hier auf sich beruhen lassen und nur bemerkt haben, daß jene Folgerung keineswegs im Wortlaut begründet ist9. Der zeigt ja doch nur an, daß Adam bis dahin o h n e Geschlechtsgemein״ 9 Das behauptet auch der Midrasch nicht geradezu. Er spinnt die biblische Erzählung weiter, indem er den. abstrakten Gedanken (kein anderes Wesen hätte zu Adam gepaßt) zu einem konkreten Vorgang verdichtet. Diese — im Wesen der Volksdichtung begründete — Technik zeigt sich auch sonst. So wird Gen,. R. 8, 5 u. ö. die Frage, ob der Mensch verdiente, geschaffen zu werden, zu einer Diskussion der Himmelswesen umgeformt, die vor der Erschaffung des Menschen stattgehabt haben soll — obwohl die Eigenschaften des Menschen, den Diskutierenden bekannt sind, also die Existenz des Menschen bereits vorausgesetzt werden muß. Solche Schwierig״ keiten — logischer, geschichtlicher, ethischer Art —r die sich den Erzählungen entgegenstellen, heben die Midraschlehrer selbst nur selten hervor: ihr Werk ist eine Synthese zwischen Wahrheit und Spiel, oft (so auch hier) derart, daß ein sehr ernstgemeinter Gedanke in eine auf künstlerischer Phantasie beruhende Form eingekleidet wird. I. H.