Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die geschlechtliche Stellung des Weibes in Gen 2 und 3
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 5)
- Language
- German
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Die geschlechtliche Stellung des Weibes in Gen! 2 und 31 285 Weib gemäß seiner Erschaffung als ein Stück des männlichen Körpers, sogar einer recht untergeordneten Stelle entnommen, erscheint. So folgt schließlich, daß die ״demütigende Unterordnung" (Holzinger) des Weibes unter den Mann eine schöpfungsgemäße war, dem Weib schon vor dem Sündenfall eignete. Demgemäß wäre also der Hinweis auf die Untertänigkeit des Weibes unter den Mann als eine Neuerung gemäß 36נ keinesfalls am Platz. Sehr schön weist z. d. St. Jacob S. 118 darauf hin, daß durch das ״er wird Herr sein über dich" keinesfalls im Gegensatz zu 219 die Stellung des Mannes zum Weibe geändert sei. ״Es wird niemals gesagt, daß der Mann der Herr des Weibes sei, und es ihm dienen müsse." Das ״Dienen" des Weibes sei vielmehr lediglich Anlehnung des Schwächeren an den Stärkeren, was nimmer im Widerspruch mit 219 stehen könne. In Ergänzung und Erweiterung dieses Gedankens macht dann Jacob S. 98 darauf aufmerksam, daß wie das Weib ein Stück des Mannes, so das Kind ein Stück der Mutter sei. Also das Weib aus dem Mann, das Kind aus der Mutter hervorgegangen: ein sinniges, inniges Bild für die Zusammengehörigkeit und Einheit des Menschengeschlechts. So war denn auch am allerwenigsten im Blick auf des Weibes Untertänigkeit ein ״Fluch" am Platz, konnte von ״Verfluchung" keine Rede sein, s. o. Die Strafe Gottes über das Weib lag lediglich auf dem Gebiet der Mutterschaft, genauer: in der Schmerzhaftigkeit des Mutterwerdens. Mit Recht bemerkt Gunkel, Genesis, S. 21: ״Daß es oft schwanger soll werden, ist für das antike Weib ein Segen, kein Fluch", vgl. Gen 164-5. Beschwerden der Schwangerschaft aber und Schmerzhaftigkeit der Geburt können daher nimmer (s. o.) den Stolz der Mutterschaft aufheben oder auch nur im geringsten mindern. Eher trifft wohl das Gegenteil zu. Die Frage, ob es schon vor dem Sündenfall Mutterschaft oder Geschlechtsverkehr gegeben hat, darf dabei niemand stellen, weil der Erzähler selbst sie sich nicht gestellt hat. Überhaupt ist immer wieder Anlaß (nicht nur an dieser Stelle), sich gegenwärtig zu halten, was Dillmann einmal zu 222 ausführt: ״Grob realistischer Sinn dringt auf buchstäbliche Ge-