Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die geschlechtliche Stellung des Weibes in Gen 2 und 3
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 2)
- Language
- German
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282 Julius Boehmer Im einzelnen betont Holzinger, daß,, wie die Strafe der Schlange eine doppelte sei(Veränderung ihrer Natur: nicht mehr freie Beweglichkeit; sondern Kriechen auf dem Bauch; Veränderung ihrer Beziehungen zum Menschen), so auch die des Weibes, Ihre ^Konstitution" werde zu ihrem Nachteil ״ge״ ändert", indem das Gebären mit Schmerzen verknüpft werde (als ob vorher von einem andersartigen Gebären die Rede wäre), und die ursprünglich koordinierte Stellung dem Mann gegen« über fortan subordiniert4 sei (wovon der Text gleichfalls nichts weiß). Feinsinnig folgert Holzinger, daß dem Erzähler die gegenwärtige Lage des Weibes nicht als normal, ,geschweige ideal erschienen sei. Er fährt fort, daß auch die Bestrafung des Mannes doppelt geschehe: durch Änderung seiner Beziehungen zum Erdboden und durch die Verhängung der Todesstrafe. — Im gleichen Sinn spricht sich Holzinger bei Kautzsch«Bertho« let aus. Gunkel, der sonst die gleiche Auffassung vertritt, will ■ aus 316 herauslesen (indem er ja auch Schwangerschaft und Unter« tänigkeit als zwei je selbständige Größen nebeneinander stellt), daß das Weib im Sehnen nach dem Mann ״seine eigene S k l a« verei begehrt". Außerdem nennt er (wie andere vor ihm und nach ihm5) die göttlichen Gerichtssprüche über Schlange, Weib und Mann ״Verfluchung" (Urgeschichte S. 63). Ja, um über ihre Beziehung zum Weib keinen , Zweifel aufkommen zu lassen, sagt er Genesis S. 21 ausdrücklich: die ״V erf luchung de s W e i b e s" und S. 22: Des Weibes ״Geschlechtsleben und Ge« baren wird verflucht." Der Wortlaut indes weiß von einem ״Fluch" nur über die Schlange und (nicht einmal von einem Fluch über den Mann, sondern lediglich) über den Acker, aller« dings ״um des Mannes willen". Hingegen wird das (arme, be« mitleidenswerte) Weib mit einem Fluch überhaupt nicht,, weder unmittelbar (wie die Schlange) noch mittelbar (wie der Mann), in Zusammenhang gebracht. Ein gar zarter, feinsinniger (wie es scheint, bisher unbeachtet gebliebener) Zug in der Erzählung[ 4 Ähnlich und doch anders Dillmann, der (221— 24) eine ״ursprüng״ liehe Abhängigkeit“ sieht, der gegenüber die Herrschaft des Mannes ״mehr“ sei. ß Z. B. Hans Schmidt S. 23: ״Fluch über die Frau“.