Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Mathematik in Bibel und Talmud
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 6)
- Language
- German
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Zur Mathematik in Bibel und Talmud 229 wegematrioth“ spricht, so meint sie den Wechsel der Jahres״ Zeiten und seine im Sinne des Talmuds (vgl. Erubin 56) behan״ delte numerische Berechnung; diese beiden Gegenstände wer״ den als Zukost zur Weisheit erklärt. Es ist hier nicht von Geo״ metrie die Rede, sondern von zwei in Zusammenhang stehenden Gebieten, ebenso wie im ersten Teil der Mischna sich das Vogelopfer bei Frauen nach ihrer Entbindung und der Wieder״ eintritt der Menstruation in Beziehung befinden. Die Ansicht Bachers11, daß in der zitierten Mischna Abot III, 19 wahrschein״ lieh ausnahmsweise gematrioth für Geometrie gebraucht wird, scheint mir demnach nicht zutreffend, da Geometrie gar nicht in den Gedankenbereich der Talmudisten gehört, wohl aber die tekufoth und das Operieren mit Zahlen Gegenstände ihrer Beschäftigung waren. Wenn auch Hoffmann12 bei seiner Ober״ Setzung der angeführten Mischnastelle ebenfalls gematrioth mit Geometrie wiedergibt und auf die vielseitigen Kenntnisse des Autors der betreffenden Mischna Rabbi Eleasar ben Chisma in den mathematischen Wissenschaften hinweist, so darf ich dem״ gegenüber bemerken, daß Rabbi Eleasar nachgerühmt wird, er habe die Tropfen des Meeres zählen können (Horajot 10a), das heißt: er war in der Lehre von der Zahl besonders bewandert, daß also gerade gematrioth im Sinne von Operieren mit Zahlen dem Kreise der wisenschaftlichen Betätigung des Rabbi Eleasar entsprechen würde. Den Höhepunkt mathematischer Resultate im Talmud bil״ den der mehrfach verwendete Satz (Erubin 57a): ״Eine Elle im Quadrat hat eine Elle und zwei Fünftel in der Diagonale''13 11 W. Bacher, Die älteste Terminologie usw., Leipzig 1899, S. 127. 1* 2 * * S. * Mischnaiot, hebräischer Text mit deutscher Übersetzung, Teil IV, Seder nesikin. von D. Hoffmann, Berlin 1898r S. 344. 13 Der numerische Wert 7/5r der bei der Kettenbruchentwicklung von •j/2T auftritt, geht vielleicht schon auf die Pythagoräer zurück und findet sich ausdrücklich bei Theon von Smyrna (+ 120). Vgl. M. Canto r, Vorlesungen über Geschichte der Mathematik, Bdi. 1, zweite Auflage, S. 408, Leipzig 1894, J. Tr0pfkey Geschichte der Elementar״Mathematik/ Bd. 2, dritte Auflage, S. 82y Berlin u. Leipzig 1933, weijter etwa Fr. Hultsch, Bibiiiotheea mathematica, BdL 1, dritte Folge, S. 8, Leipzig 1900. Durch Herrn Professor Dr. Michael Gutfcmann in Budapest werde ich nachträglich