Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Mathematik in Bibel und Talmud
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 5)
- Language
- German
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228 Alfred Loewy vermag wohl auch mit seinen mathematischen Kenntnissen nicht mehr zu beweisen, als daß der Umfang des Kreises an״ genähert dreimal so groß wie der Durchmesser ist; er setzt hinzu, man sagt, er soll ungefähr y sein. Wenn schon die Resultate des ältesten jüdischen mathematischen Werkes, der Mischnat ha middotr die sich vornehmlieh an Feldmesser wendet und nur praktischem Gebrauch dient, vom Talmud ausgeschlossen werden, um wieviel mehr muß dies bei der wissenschaftlichen Geometrie, die ihre Sätze nach dem Muster von Euklids Elementen möglichst logisch aus einer geringen Anzahl von Postulaten abzuleiten versucht, der Fall sein. Das im Talmud sich findende Wort Gematria bedeutet trotz seiner äußeren Ähnlichkeit durchaus nicht Geometrie und ist von den alten Kommentatoren richtig mit cheschbon (Rechnung), dem Operieren mit Zahlen, in Zusammenhang gebracht worden. Nach der Erklärung von M. Sachs10 stammt Gematria wahrscheinlich vom griechischen Wort grammateia und wird ausnahmslos bei zahlenmäßiger Behandlung verwendet, wie der Buchstabe (griechisch gramma) im Hebräischen zur Zahlbezeichnung dient. Am charakteristischsten ist die Stelle im jerusalemischen Talmud, Terumoth Kap. V, Abschn. 1: ״Gleich dem Stab des Blinden tasteten wir irrend herum, bis wir es durch mathematische Rechnung (cheschbon gematria) auffanden", eine Stelle, bei der es sich um eine rein numerische Rechnung handelt. Wenn die Mischna in Abot III, 19 von ״tekufoth 10 M. Sachs, Beiträge zur Sprach- und* 1 Altertumsforschung^, II, Berlin 1854, S. 74; vgl־, ferner W. Bacher, Die älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslegung, S. 127, Leipzig 1899 sowie derselbe,, Die exegetische Terminologie der jüdischen Traditioinsliteratur, Leipzig 1905, I 127; II 27 und weiter S. Gandz in der in Anmerkung 2 zitierten Abhandlung, S. 87. Gematria bedeutet ursprünglich eine Buchstabenvertauschung (Perimutation), was mit dem griechischen, Worb gramma in Beziehung steht, und, da dm Hebräischen die Zahlen mit Buchstaben bezeichnet werden, ist das Wort Gematria dann allgemein für numerisches Rechnen in Gebrauch gekommen. Hingegen lehnte die griechische Geometrie das Zahlenrechnen möglichst ab, so daß man nicht daran denken kann,, in Gematria das griechische Wort Geometrie wiederzufinden und es gerade für das von den Griechen in der Geometrie möglichst abgelehnte numerische Rechnen verwendet zu sehen,