Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Um das Gebot der Nächstenliebe
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Um das Gebot der Nächstenliebe 221 Jeder Zusatz von Haß bedeutet Vergewaltigung des Gott- und Naturgewollten, wird zum widernatürlichen Greuel. Der dritte Versuch, am Sinn der Nächstenliebe die Idee des Totalen, Ausschließlichen zu beteiligen, rückt das Objekt hervor und verwendet den Gedanken der Einheit des Menschengeschlechts vermöge der Tatsache der Gottesebenbildlichkeit Der Mensch als Ebenbild Gottes ist ausgezeichnet mit Würde und Hoheit. ״Wenn der Mensch des Weges geht, schreitet ein Trupp Engel vor ihm her und ruft aus: Macht Platz dem Ebenbild des Heiligen, gelobt sei Er!"37 Im Gedanken der Gottesebenbildlichkeit sieht Ben Azzai, ein Zeitgenosse R. Akibas, den Hauptgedanken der sittlichen Ordnung, und seiner These wurde der Vorzug vor dem Grundsatz Akibas gegeben38. Der Hinweis B. Azzais trifft den Menschen als Subjekt und Objekt. Der Wille zum sittlichen Handeln und damit die Möglichkeit wird nicht erst an einem göttlichen Befehl, einem Torawort entdeckt, sondem erschließt sich von innen her dem Menschen vermöge seiner Gottesebenbildlichkeit, der Anstoß dazu erfolgt nicht von einem Hinhorchen und Verstehen aus, sondern es genügt für ihn der Anblick des Mitmenschen, des im Ebenbild Gottes geschaffenen. Den nächsten Sinn seiner These sah B. Azzai in der praktischen Konsequenz, nicht etwa in der, wenn auch selbstverständlichen, Erweiterung zum theoretischen Gedanken der Menscheneinheit. ״Damit nicht jemand sage: weil ich verachtet wurde, soll mein Gefährte mit mir verachtet werden, weil ich verflucht wurde, soll mein Gefährte mit mir verflucht werden"39. 37 Deb r. 4ju 38 Jer. Ned. 94. Keineswegs war B. Azzai der erste, dler die Bedeutung־ des biblischen Satzes von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen entdeckte und ihn heranzog. Gerade von Akiba, dessen Grundsatz die These B. Azzais entgegengestellt wurde, stammt der Ausspruch: ״Ein Geliebter (Gottes) ist der Mensch, denn in seinem Ebenbild wurde er geschaffen V (Spr. d. Väter 3,14), weshalb von einem prinzipiellen Gegensatz zwischen beiden, nicht die Rede sein kann. Schon Hillel der Ältere hat den Gedanken der Gottesebenbildlichkeit benutzt, um damit in weitherziger Weise die Pflicht der Pflege und Gesunderhaltung des Körpers ziu begründen. Waj. r. 343. 39 Ber. r. 24. Es muß euffallen, deß B. A. seine Anschauung an einem Fall demonstriert, bei dem der zur Liebe Aitfgeforderte selber ak der unter־