Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Um das Gebot der Nächstenliebe
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 12)
- Language
- German
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220 Max Katten losen Haß34 von sich entfernen. Aus ganzer Seele besage: obgleich dein Gefährte nach seinem Charakter nicht dessen wiir« dig scheint, sollst du ihn lieben um Gottes willen, der ihn so geschaffen hat. Aus ganzem Vermögen bedeutet, auch den wirtschaftlichen Konkurrenten, denn jeder haßt seinen Fachgenossen35. So behält das Gebot der Menschenliebe beim Zusammen« treffen mit dem Gebot, Gott zu lieben, nicht nur seine sachliche Selbständigkeit, sondern trägt überdies einen exegetischen Ge« winn davon, indem es sich an ihm über seine inneren Maße ver« gewissert. Von drei Seiten her geht das Bemühen, die Nächstenliebe im Sinne eines Ganzen, Ausschließlichen zu bestimmen. Sie ist zunächst das oberste Prinzip der Tora, das den Sinn aller Toragebote und damit den Sinn alles sittlichen Wandels überhaupt benennt. Der zweite Versuch beschäftigt sich mit dem psychologischen Phänomen der Liebe. Dem Wesentlichen der Ab« sicht, die materielle Erscheinung der Liebe unter die Idee des Ein« zigen und Totalen zu stellen, mag man es zugute halten, wenn bei der Darlegung manches in Unordnung erscheint und sittliche Be« wegungskräfte in Gestalt von dinglichen Elementen auftreten. Die Ausführung knüpft an das bekannte Sinnbild der Liebe, das Herz, an. Wie kann, bemerkt Abrabanel, ein solch kleiner und enger Raum, der zudem halb mit Blut und halb mit Odem ge« füllt ist, Liebe und Haß vereinigen? Darum läßt die Schrift dem Liebesgebot folgen: Ich bin der Ewige. Das will sagen: Gleich« wie meinem, Gottes, Wesen die absolute Einfachheit und Einer« leiheit zukommt und in mir keine Vielheit von Wesensgehalten statthat36, so sollt auch ihr sein. So schließt sich für A. auch der nächste Bibelvers, der das Verbot der Artenmischung ent« hält, durchaus sinnvoll an. Wenn Gott die Vereinigung des von Natur aus Geschiedenen mißbilligt und verbietet, wie kann der Mensch Liebe und Haß im Herzen hüten? Für Abrabanel ist die Liebe die natürliche, funktions mäßige Selbstbekundung des menschlichen Wesens, die einzige legitime Kraft des Herzens- והשנאה הזאת אמר גלב נקרא שנאת הנס ״ ■* להרחיק ממגד ש«ץ קנאה והמרות 34 Ebd. 39 וחנה אני פשוט בתכלית הפשיטות ואין בי רבוי עני־גים Vgl. Abrab. zu Lev191# .׳.