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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 3 · p. Seite 217

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 3
Article
Um das Gebot der Nächstenliebe
Date
1935-01-01
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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Um׳ das Gebot der Nächstenliebe 217 Volksgenossen. Oder vielleicht noch nicht einmal das. Denn wie wenig mit der von Jesus gegebenen Definition praktisch etwas anzufangen ist, zeigt sich dann, wenn es an die moralpädagogische Auswertung des Satzes der Nächstenliebe geht. Man sollte doch meinen, daß bei der analysierenden Katechetik des Satzes die Forderung anzutreffen sei: liebe den Samariter, oder, der heutigen Geschichtssituation angepaßt: liebe den Engländer, den Franzosen usw., ja, daß ein solcher Satz an der Spitze stehe. Was aber lesen wir in einem bekannten moraltheologischen Werk als Explikation des Liebesgebotes?25 ״Wenn sich die Liebeserweisungen auf verschiedene Personen ausdehnen, dann sind unter sonst gleichen Umständen jene Personen vorzuziehen, die uns näher stehen, sei es durch Blutsverwandtschaft oder ver״ möge unseres Amtes, des Religionsbekenntnisses, der Heimat u. dgl., da sie Gott durch engere Bande mit uns verbunden hat. Daher sind vorzuziehen die Eltern den übrigen, die Gattin den Kindern, die Kinder den Geschwisterten, die Geschwisterten den übrigen Verwandten, die Freunde, Wohltäter und die, welche dem öffentlichen Wohl nützlicher sind als die Übrigen/' Wir lesen diese Worte und suchen jene Kategorien, auf die die Christ״ liehe Lehre sich bezieht, um auf die Überlegenheit ihrer Sittlichkeitsauffassung gegenüber dem Judentum hinzuweisen, den Fremden, den Ausländer, den Feind. Wenn man will, mag man sie in den ״Übrigen" vermuten, die als Masse der Gleichgültigen das Subjekt umgeben. Sie treten nicht aus ihr hervor und werden nicht genannt. Es darf daran erinnert werden, daß mittelalterliche christliche Autoren durchweg vom ebenkristeri, dem Mitchristen, sprechen, den zu lieben Pflicht ist, wohingegen Chajim Vital ausdrücklich erklärt: ״Man soll alle Menschen lieben, auch Nichtjuden"26. Endlich läßt die Identifikation des Liebesgebotes mit dem letzten Dekalogwort eine wichtige Folgerung zu, die sich auf den Wert bezieht. Das 10. Gebot gilt als ein den anderen übergeordnetes Gebot (מצרה שבל המצוות הלמות בה)• Wer nach ihm 25 I. P. Gtiry, Moralihealogie S. 102, 103 (nach griechischer Quelle: Heine mann, Phiions Bildung 324). 28 Vgl. dazu Michael Guttmann, Dias Judentum und seine Umwelt; S. 184, Arun.

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