Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neuere Arbeiten zur Philosophie des Mittelalters [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 10)
- Language
- German
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204 Besprechungen Midrasch 1907), andererseits der Midrasch noch stärker als die Bibel in der Geschichte Israels die ״Helle" eines göttlichen Planes zu erkennen glaubt (Glatzer, Zur GeschiehtsLehre der Tanmaiten 1933). Die Entscheid düng trifft der bekannte Satz (W. 55), d'aß die Sterne zwar im allgemeinen herrschen, aber nicht über Israel. Eine zweite Verschärfung der Spannung tritt im Mittelalter ein* da die Alraber auf Grund der Entdeckungen der hellenistischen׳ Forschung (Einfluß des Mondes auf die Gezeiten) das magisch״astralogische Weltbild׳ der Babylonier zu einem streng wissen״ schaftlichen, mit mechanistischem, antireligiösem Einschlag umarbeiten, lind nun ergibt sich auch hier jenes selbe Ringen des jüdischen Geiste® mit der griechisch״arabischen Wissenschaft, das uns S. 201 auf anderen Feldern des Geisteskampfes deutlich wurde. Es verdient Beachtung, daß der größte Mathematiker unter den Philosophen des Mittelalters, Leviben Gerson: (vgl. W. 45), dem astrologischen Weltbild am weitesten entgegen״ kommt, allerdings unter Festhaltung an der menschlichen Willensfreiheit. Dagegen hat Gabirol; im Keter Malkut (unzureichend W. 63) die astrolo״ gische Lehre dadurch entgiftet, daß er Z; 91 f., 109,119,131 ff., 172 B.״R. die Abhängigkeit der Gestirne von Gott deutlich hervorhebt/ während; nament״ lieh Maimuni (Marx, HIXCA IH 311 ff.) zumal aus ethischen Gründen zwischen Astronomie und Astrologie einen scharfen Trennungsstrich zieht. Indem jenier mit Hilfe des religiös an geschauten Himmelsbildes das Gefühl religiöser Demut zu vertiefen weiß׳, dieser durch kritische Prüfung des Ver״ hältnisses von Mensch und Umwelt das Bewußtsein der sittlichen Verant״ wortlichkeit neu begründet, mochten beide Philosophen mit einem ge״ wissen Rechte glauben, mit Hilfe der Wissenschaft die urjüdische Lebens״ haltung gegen fremde Einwirkungen zu schützen־ — Im Hinblick auf diesen geschichtlichen Zusammenhang zwischen Philo« sophie und' Leben im Judentum begrüßen wir es, daß neuerdings Ah״ stalten getroffen worden sind, um solchen Kreisen, denen die Lektüre he״ bräischer Texte noch schwer fällt, Quellenstücke über oder von Maimuni übersetzt zu bieten. Besonders verdient hat sich hier der Schockenverlag gemacht, der (außer den genannten wissenschaftlichen Werken von Bam״ berger und Strauß) folgende Quellensammlungen (1935) veröffentlicht hat: 1. Das Leben des Mosche ben Maimon. Aus seinen Briefen und anderen Quellen ausgewählt und eingeleitet von I. ET b o g eh (Jüdische Lesehefte Nr. 5), 40 S., brosch. 0,50 M. (s. o. S. 80). 2. Rabbi Mosche ben! Maimon. Ein systematischer Querschnitt durch sein Werk. Ausgewählt, übertragen und eingeleitet von Nahum Norbert Gl atz er. 160׳'S. In Pappe geb- 2,50 M. —* Eine Auswahl von Texten über Gegenstände der Metaphysik, Ethik, Religionsphilosophie aus sämtlichen Schriften mit knapper Einlei״ tung und Hinweis auf die wichtigste Literatur. 3. Bes Rabbi Mosche ben Maimon More Newuchim (Führer der Verirrten), im Grundriß. Auswahl, Übertragung und! Nachwort von Alexander Alt mann. 88 S. In Pappe geh. 1,25 Mv eine Zusammenstellung, die zur Ergänzung der Glatzersehen bestimmt ist, also dort aufgenommen-e Stücke nicht wiederholt, und daher