Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neuere Arbeiten zur Philosophie des Mittelalters [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 9)
- Language
- German
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Besprechungen 203 daß alles in Gottes Hand’ liegt, außer der Gottesfurcht. Wenn W. einleitend meint, das Vorhandensein der Schicksalsidee im Judentum, sei bisher allgemein bestritten worden, so trifft das bei der weiten Bedeutung, in welcher er den Begriff versteht, offenbar nicht zu. Daß das Ergehen) des Menschen weit weniger von ihm. als von Gott ab* hängt, ist stets als jüdische Grandlehre betrachtet worden; in dieser oll« gemeinsten Fassung steht der ״Schicksalsglaube‘" offenbar auch mit dem ethischen Monotheismus nicht in Spannung^ sondern in unlösbarer Ver« bindung. Aber auch die etwas bestimmtere Fassung, daß diese Wirkung Gottes (und infolgedessen Unser Ergehen) dem Menschen) oft undurch« sichtig ist, ׳und! die Spannungen!, die sich von «hier aus ergeben, sind ,niemals als dem Judentum fremd bezeichnet worden. Neu ist lediglich die Frage, ob im Judentum ein Schicksalsglaube in dem Sinne auftaircht, wie wir ihn aus der ödipussage und etwa dem Schi'cksalsdrama des 19. Jahrhunderts (z. B. Grillparzers ״Ahnfrau"") kennen, als Glaube an eine düstere, plan« mäßig wirkende Macht, deren festen Willen wir nicht durchkreuzen können, sondern durch unsere Durchkreuzungsversuche geradezu fördern. Ein solcher Glaube scheint allerdings dem ethischen! Monotheismus desi Juden« tums schnurstracks zu widersprechen. Umso verdienstlicher, ist es, daß Häüer die Frage nach dem Verhältnis des Judentums zu ihm gestellt und einen in reiferen Jahren stehenden Schüler, der einen! gewissen Überblick über das jüdische Schrifttum besitzt, zu ihrer Beantwortung angeregt hat. Allerdings wird die Klarheit der Behandlung getrübt durch die Herein« beziehung von vielem, was zu• dieser neuen Frage nicht gehört; sehr häufig ist auch W. mit der Forschung zur allgemeinen Kulturgeschichte und zur jüdischen Geistesgeschichte nicht ausreichend vertraut. Eine ein« dringendere Behandlung, die wir der wichtigen Frage durchaus wünschen, würde vermutlich ׳ergeben), daß die Ansätze zum Fatalismus im engsten Sinn zwar nicht bestritten werdenl dürfen, aber, fremder Herkunft sind, daß dem« gemäß die von Hauer und Wochenmark zugegebene Einschränkung des Schicksalsglaubens in der Hauptsache als ein Kampf urjüdischer Gedanken gegen einen, fremden Eindringling aufzufassen! ist. Wohl trägt schon die Josephs«ErzähI)ung (W. 77) insofern einen׳ fata« listischen Zug, als die zur Vereitelung der Traumweissagung bestimmten Handlungen der Brüder gerade Josephs Aufstieg herbeiführeni. Aber Gen 5020־ betont, daß nicht ein dunkles Schicksal!, sondern Gottes Wille, ״viel Volk zu erhalten"", in diesen rätselhaften Fügungen, waltet. Im Sinne der Bibel sollen wir also diese Schickungen! nicht fatalistisch, in dumpfer Ergebung, hinnehmen, sondern religiös, im Vertrauen auf Gottes über« legene Weisheit. Die Spannung zwischen fatalistischer und religiöser Am« schauungsweise, welche in der Bibel offenbar zu Gunsten der letzteren überwunden wird, verstärkt sich aber in der talmudischen Zeit, da einer« seits der Glaube an die genaue Entsprechung zwischen irdischem und astralem Geschehen erst jetzt auch auf fromm jüdische Kreise Einfluß ge« winnt :(Bis c h o f f, Babylonisch«Astrales im Weltbilld des Talmud und