Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neuere Arbeiten zur Philosophie des Mittelalters [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839350--53398-2839510- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
202 Besprechungen völlig vorenthalten wollte wie die arabischen Aristoteliker (o. S. 145) mit einziger Ausnahme des Ibn D'aud; von dem sich durchaus zeigen ließe, daß er als Philosoph und auch als Historiker in Wahrheit jüdisch״ apolo״ getisehe Zwecke verfolgt, so ergibt sich eine gewisse Lösung der von Gutt״ mann offengelässenen Frage; nach dem Verhältnis der arabischen und der jüdischen Rezeption des griechischen Denkens (o. 1933, 397). Mindestens seit der Abwendung beider Religionen vom Kalam ist das Verhältnis von Spekulation und Religiosität im Judentum!, soweit wir es überblicken, weit inniger gewesen als im Islam. Die Befestigung, und psychologische Erklä״ rung dieses Tatbestandes dürfte eine der wichtigsten Aufgaben der For״ schung der nächsten Jahre bilden1.. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ordnet sich die, Geschichte der jüdischen Philosophie in. die Gesamtgeschichte des jüdischen Geistes ein. Dieser Zusammenhang tritt auch hervor in der Untersuchung von Joseph Wochenmark, D i e S c h i c k s a 1 s i d e e. i m J u d■ e n t u m, Stutt״ gart, Kohlhammer, 1933, 91 S., M. 4,80. W. ist Schüler J. W. Hauers und hat. dessen Meinung, ״daß die Schicksalsidee als allgemeine religions״ geschichtliche Erscheinung : auch im Judentum, wenn auch vom Monotheismus ■ absorbiert, vorhanden! ist“, anfangs bekämpft, da sie ״dem ethischen Monotheismus des Judentums widerspricht“. Nähere Beschäftigung hat ihn aber zum Ergebnis geführt, ״daß es auch im Judentum an Schicksalsgedanken und Schieksalsgestaltem nicht fehlt, die aber dem ethischen Monotheismus ein״ und untergeordnet oder, um einen Hegelschen Ausdruck zu gebrauchen,, darin aufgehoben, sind.“ . ״Dem Schicksalsglauben, ist die Idee einer irrationalen Notwendigkeit immanenlt.“ Daher glaubt W. im Judentum Schicksalsgedanken festzu״ stellen wenn er den Glauben an die Unbegreiflichkeit oder auch an die notwendige Wirkung des Waltens Gottes aufweist und! den Konflikt zwischen menschlicher Willensfreiheit und göttlicher Allwissenheit und Allmacht bespricht; in diesem Zusammenhang werden, auch die Religions״ Philosophen behandelt. Ferner sieht er ,*Schicksalsgestalten“ im Judentum: zu ihnen gehören der Satan, die astralen Schicksalsmächte und das Traum״ orakel. Ein weiterer Abschnitt schildert die Überwindung der Schicksals״ idee durch die. jüdische Lehre von Gottes Gnade, Gericht und Gebets״ erhörung. Zusammenfassenid glaubt W. sagen zu können, daß Gottes״ glaube und Schicksalsglaube die beiden Pole sind!, zwischen denen das religiöse Bewußtsein dies Juden sich bewegt.• Weder der essaische Glaube an die Allmacht des Schicksals, noch der sadduzäische an die Allmacht des Willens hat sich im Judentum duxchgesetzt, sondern der; pharisäische, 1 Auch M. Grünewald (s. o. S. 180, 15)'undlErnst Simon (S; 188, 17) versuchen in ähnlicher Weise zu zeigen, wie sich bei Maim-uni die jüdische Denkweise und Glaubenslehre gegenüber der griechischen Raum verschafft; letzterer versucht S. 189 überdies, das methodische Recht eines solchen ah seinen geschichtlichen ״Standort“ gebundenen Denkens dm Gegensatz zum spinozistischen zu erweisen.