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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 201

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Neuere Arbeiten zur Philosophie des Mittelalters [Rezension]
Date
1935-01-01
Page
Seite 201 (sequence 7)
Language
German
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Besprechungen 201 veranschaulichen soll; und führt Phiions Umbildung des griechischen Begriffes auf das Judentum zurück. Der Hauptteil stellt die Beweise Gabirols für die Logoslehre dar, mit Seitenblicken auf andere Teile des Systems, zumal auf die Lehre von der Einheit der Materie bei körperlichen und geistigen Substanzen (45). Besonders eingehend bespricht B. das Verhältnis des Willens zu Materie und Form. Die Schwierigkeit, daß die Materie bald!, ebenso wie die Form, Emanation des Logos sein, bald, im Gegensatz zu ihr, direkt aus Gott stammen soll, löst B. durch die Erklärung, daß die Idee der Materie in Gottes Wesen vorhanden ist, der Logos aber, indem er ihr die Form gibt, ihr erst ,,das Dasein und das Sosein“ verleiht (52). Die Einführung des Willens ist nach B. aus dem Bestreben hervorgegangen, den neuplatonischen Gottesbegriff dem jüdischen anzunähern. Daher sind die Vorwürfe, daß Gabirol eine unreligiöse oder eine dem Christentum nahekommende Anschauung vertrete (beide Vorwürfe hält B. nicht scharf genug auseinander), unberechtigt. Zwischen dem Dichter und dem Denker Gabirol besteht nur der selbstverständliche Unterschied!, daß dieser mehr die Vernunft, jener das Herz sprechen läßt. — Um! einzelnen ließe sich manches einwenden; und was B. S29 ,78 .׳ angeblich aus meiner Vorlesung zitiert, ist völlig mißverstanden; aber die Arbeit ist scharfsinnig und trifft in der Beurteilung der Umbildung, die Philon und Gabirol an den griechisehen Systemen vorgenommen haben sollen, beachtlich mit Bambergers Auffassung von Maimunis Verhältnis zu Aristoteles zusammen. Überblickt man nunmehr die Arbeiten auf unserem Forschungsgebiet während der letzten drei Jahre, so ergibt sich, daß einerseits Julius Guttmann die Einordnung der jüdischen Philosophie in die Gesamtgeschichte des menschlichen Denkens vollzogen hat (o. 1933, 394 ff.), andererseits aber die Einzelforschung noch deutlicher als zuvor (o. 1932, 360) sich der Aufgabe zugewandt hat, das jüdische Denken als Leistung jüdischer Mensehen zu begreifen. Auch Klatzkins Thesaurus, der an anderer Stelle besprochen werden wird, dient mittelbar dieser Aufgabe; erst er ermöglicht es, die Frage nach der sprachlichen Einbürgerung, des griechischen und arabischen Geistesgutes im Judentum (o. S. 103 ff.) methodisch in Angriff zu nehmen. Eine solche Untersuchung dürfte ergeben, daß das Judentum gewiß mittelbar und unmittelbar stark vom Arabischen abhängt, aber doch in weiterem Umfang als etwa das Deutsche seine eigene Begriffssprache organisch aus vorphilosophischen Ansätzen entwickelt hat. Zu ähnlichem Ergebnis ׳ führt der Vergleich der jüdischen Gedankenwelt mit der griechisehen und islamischen. Die Juden! scheinen die Gottesbegriffe des Aristoteles (vgl. Bamberger) und Plotin (vgl. Bieler) stärker umzubilden als die Araber, ohne freilich immer die letzten Konsequenzen ziehen zu können; aber auch die philosophische Begründung des Gesetzes (vgl׳. Strauß) geht bei ihnen viel mehr ins Einzelne (vgl. Neuburger); auch aus dem Sufismus hört der Jude nur die religiös vertiefenden;, nicht die religiös anarchistischen Kräfte heraus (s. o. zu Golinski). Nimmt man hinzu, daß unter den jüdi״ sehen Philosophen keiner die Ergebnisse der Wissenschaft dem Volke so

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