Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neuere Arbeiten zur Philosophie des Mittelalters [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 5)
- Language
- German
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Besprechungen 199 der Kulturen; zu erklären ist. Von Widersprüchen ist aber auch der Gottes« begriff des reifen Aristoteles (Böhm, Die Gottesidee bei A., Straßb. Diss-, 1914, namentlich 72 ff.) nicht frei: insbesondere hat das ״zu Ende Denken“ seines Bildes vom Feldherrn zu Folgerungen geführt, die seiner wahren Meinung widersprechen/. Und wenn M. ein wissenschaftliches Interesse diaran zu haben glaubte, die Teleologie des Kosmos auf Gott zurückzuführen (More II 19; III 13), welches zur Aktivisierung des Gottesbegriffes führen mußte, so hätte er andererseits der Religion einen schlechten Dienst er« wiesen, hätte ■er das Walten» Gottes nicht auch im kausalen Geschehen finden wollen. Sein Festhalten an manchen wissenschaftlichen Positionen hat also religiöse Motive; seine Abänderungen an Arist. sind) zum Teil, nicht erst nachträglich, wissenschaftlich begründet und! haben daher (hier trifft B. beachtlich mit Strauß zusammen) zur Annäherung an den Platonismus, also nicht zur Minderung des wissenschaftlichen Wertes des Systems, geführt. Wenn B. diesen ־— hier nur kurz angedeuteten — Komplikationen Rechnung tragen will, so dürfen wir seinen weiteren Forschungen mit besonderer Spannung entgegensehen. Von hier aus dürfte sich auch wohl die Aufgabe der psychologischen Interpretation des M. lösen lassen1, die seinem neuesten Biographen vor« schwebt: Abraham Heschel, Maimonides. Eine Biographie, Berlin, Erich Reiß«Verlag, 1935, 288 S., kart. M. 3,80r Leinen M. 4,80. Die Forde« rung, ״den Prozeß des Denkens, statt der kristallisierten) Gedanken, wieder« zugeben“ (S. 286)7 ist als solche sehr zu begrüßen. Aber gerade wenn man nach Abzug der ״Konventionen des mittelalterlichen Denkbetriebes und Schriftstiles'' (ebd.) M. mit anderen Denkern der Zeit vergleicht, so wird!man die Bezeichnung dieses Prozesses mit Ausdrücken wie ״Kon« templation“ oder gar ״Meditation“ (175 ff.), die auf einen Bachja viel eher zutreffen, nicht billigen können; noch weniger überzeugt die Durchführung im einzelnen. Auch die methodische Eigenart des Gesetzeslehrers Mv ins« besondere der Zusammenhang zwischen Weltanschauungslehre und Ge« setzesdarstelhing, könnte deutlicher zur Geltung kommen; und das harte Urteil über den Philologen S. 102 ist offenbar ungerecht. Dagegen ist das Buch von erheblichem Wert für denjenigen, der Maimunis Leben und seine Persönlichkeit auf Grund eines׳ umfassenden Zeitbildes kennen lernen will. Mit großem Fleiß hat der Verfasser die Quellen über Maimunis Leben und׳ über seine Zeit studiert und1 aus weit entlegenem■ Material, allerdings auch unter Heranziehung minder zuverlässiger Nachrichten[, eine glaubhafte, farbige und anziehende Darstellung geboten; er weiß nicht nur die äuße« ren Lebenserscheinungen anschaulich zu machen, sondern auch das Erleb« nis der damaligen Menschen dem Leser nahezubringen. So ist das Buch für den Fachmann, vor allem׳ aber für den Laien eine wertvolle Gabe. Auch die gute Ausstattung und namentlich der sehr billige Preis verdienen Anerkennung. Ein Register wäre zu wünschen gewesen. Die stärkere Betonung der eigentümlich jüdischen Leistung unserer Denker mußte die Aufmerksamkeit auf ihre Auffassung des Religions«