Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neuere Arbeiten zur Philosophie des Mittelalters [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 4)
- Language
- German
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198 Besprechungen Weltschöpfung (102), wiewohl M. sie rein kosmologischausdem Bedürfnis, die Verschiedenheit der Bewegung der Himmelskörper zu erklären; ׳ableitet (71; 89). Aber M. kann sich nicht entschließen; folgerichtig den aristote« lischen Gedanken von Gott als höchster Form aufzugeben; darauf beruht seine Meinung; daß sich sein Begriff von dem des Aristoteles nur unerheb« lieh unterscheide (96); er begnügt sich damit, Begriffe wie Form und: Erna« nation umzudeuten. Auch in der Lehre von Gottes Wirkungen auf die Welt, wie sie M. als Lehre von Vorsehung- Prophetie, Zweck der Gesetze ent« wickelt, kommt es durchweg zu sehr selbständigen Ansätzen, bei denen! der ethisch-aktivistische Göttesbegriff durchbricht;; aber infolge der häufigen Gleichsetzung des Seienden und׳ des Guten) und wegen der Betonung des kausalen Charakters alles Geschehens kommt der Gedanke einer ethischen Weltregierung nicht zu voller Entfaltung. Bambergers Arbeit hat ihre Vorläufer in jener mittelalterlichen Kritik, die darauf hinwies, daß M. zwar das Wunder grundsätzlich bestehen läßt, im einzelnen aber nach Möglichkeit zu rationalisieren sucht (Guttmann 209)r methodisch auch in Max Wieners Frage (Dwir H 194 f.), ob der kosmologische Gottesbeweis Saadjas wirklich zu dem Gott der Ethik führt, an den er glaubt. Zweifellos hat B. mit Scharfsinn und Sachkunde Bruchlinien in M.s System nachgewiesen; eine andere (o. S. 138r 189 erwähnte) Untersuchung ist für M.s Lehre von! Gottesliebe und «erkenntnis zu gleichem Ergebnis gelangt; und der Wert solcher Feststellungen über Spannungen, die mit der Begründung eines jüdisch«wissenschaftlichen Weltbildes ver« knüpft scheinen, geht in der Tat (Bämb. 9) über das rein historische Inter« esse hinaus. Eben deshalb ist die Frage nach der Erklärung dieses Stehen« bleibens auf halbem Wege von großem Belang. B. stellt sie nicht ausdrück« lieh; die einzige Erklärung,, die er, namentlich in׳ der Einleitung, gibt, ist die, daß der jüdische Gottesbegriff offenbar nicht die Kraft hätte; sich durch« zusetzen. Nun hätte B. allerdings, wenn er sich nicht einseitig an. den! More gehalten, sondern sowohl1 die halachischen (s. o. S; 131,156), wie die medizini« sehen Schriften (S. lll,6)ausreichendherangezo!gen) hätte,leicht zeigen können, wie innig jeder der beiden! Gottesbegriffe, mit denen! M. arbeitet, mit ׳einer Fülle autoritären Wissensstoffes verbunden ist, welch ungemeine Kraft also jeder Versuch des Ausgleichs fordern, mußte. Dennoch scheint mir der Versuch, die Bruchlinien des Systems ausschließlich aus der Spannung des Jüdischen und des Hellenischen abzuleiten!, schon bei Philon dem Tatbestand nicht gerecht zu werden! Andeutungen in Krolls RE, V A 2340 ff.), g־e« schweige bei einem Denker von M.s weit überlegener Energie. Ich glaube vielmehr, daß diese Brüche zum Teil bereits auf Spannungen innerhalb des jüdisch-religiösen und innerhalb des griechischen Denkenls zurückgehen. Die Neigung, Gott über alles menschliche Begreifen hinauszurücken und doch sieine unmittelbare Nähe zu empfinden, erzeugt innerhalb der Religion eine Antinomie, der Seneca, die Hermetik/ Jehuda Halevi; jeder in seiner Sprache, Ausdruck gegeben haben, die wesentlich zur Einführung der Mittelwesen beigetragen hat und keineswegs erst aus dem Zusammenstoß