Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neuere Arbeiten zur Philosophie des Mittelalters [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 2)
- Language
- German
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196 Besprechungen ״Verinnerlichung“ des Offenbarungsgedankens, die in Wahrheit eine Kapi« tulation vor der Aufklärung bedeute, verschleiert werden, sondern müsse wieder äufgendmtnen werden, freilich nicht durch Rückkehr zur Orthodoxie, sondern im Anschluß an die ״mittelalterliche Aufklärung“ eines Maimonides und ihre Leitidee: die Idee des Gesetzes. Denn — so fährt der Aufsatz über ״den! Streit der Alten und der Neueren in! der Philosophie des Judentums“ fort — wenn z. B. Julius Guttmann eine gewisse Überlegenheit der neueren Philosophen über ihre mittelalterlichen Vorgänger behauptet, so kann ihm Strauß nicht beitreten^ da der Glaube an die Offenbarung zu den ״;zentralen religiösen Gedanken des Judentums“ gehört (41), dieser Glaube aber bei Mendelssohn bereits erschüttert (33), von seinen Nachfolgern preisgegeben ist. Die Philosophen des Mittelalters lehren dagegen! nicht nur die Tatsäch« lichkeit der Offenbarung, sondern zum überwiegenden Teil (wie wiederum in Auseinandersetzung mit Guttmann dargetan! wird) ihr.e Unentbehrlichkeit gerade für den Philosophen (53). Überdies ist dem! Juden! und dem Araber (65) die Bibel nicht nur offenbarte Lehre, sondern vor allem offen« hartes Gesetz. Das Hauptanliegen der mittelalterlichen Philosophie im Judentum und1 im Islam ist daher ״die gesetzliche Begründung der Philo« sophie“ als Nachweis des Rechts, Ja, der Pflicht zum Nachdenken von der Bibel aus, und ״die philosophische Begründung des Gesetzes“, Diesen Themen widmet Strauß die beiden nächsten Aufsätze. Der erste z-eigt, daß Maimuni im Gegensatz zu Ibn Roschd die menschliche Vernunft für unzu« reichend für die Erkenntnis der letzten Wahrheiten hält und in der — für ihn — sehr wichtigen Schöpfungsfrage die Ergänzung durch die Schrift für notwendig erachtet; aber selbst Lewi ben! Gerson, der an die ״Insuffizienz“ in der Schöpfungsfrage nicht glaubt, hebt die Überlegenheit der Thora über alles menschliche Erkennen hervor. Der Erklärung dieser Überlegenheit dient die Prophetoliogie als ,,philosophische Begründung des Gesetzes“. Das Neue in Strauß״ Behandlung dieser Frage liegt in der viel sorgfältigeren Abhebung Maimunis von den Arab ern und in der Betonung der Tatsache, daß der Prophet als solcher auch Gesetzgeber die von ihm ausgehende Offenbarung also ganz wesentlich Gesetz ist; daher knüpft die Begründung der Religion, bereits im Islam, sehr wesentlich an Platon an׳, dessen Philo« sophen«Könige hier im Einklang mit hellenistischen Strömungen zu man« tischen Gesetzgebern geworden sind. Man wird von Strauß' geistvollen und kenntnisreichen Ausführungen nach vieler Richtung lernen können; freilich überzeugt seine Fragestellung häufig stärker als seine Antwort. Die Frage, ob nicht die mittelalterliche und in noch höherem Grade die von Schleiermacher beeinflußte neuere Philosophie des Judentums ״Verrat des biblischen! Erbes um einer fremden ,Frömmigkeit4 willen“ geübt hat (43), ist sehr ernst; und wenn Strauß die ״Rückkehrbewegung44 des Judentums (15 ff.), statt in! Ausemahdersetzung mit Hegel, in methodischer Kritik an der Aufklärung, und ihrem! Erbe voll« ziehen willy so wird das zu begrüßen sein; einstweilen kann ich nicht finden, daß durch seine geschichtlichen Darstellungen ״viele moderne Über«