Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neuere Arbeiten zur Philosophie des Mittelalters [Rezension]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen 195 Besprechungen. Neuere Arbeiten zur Philosophie des Mittelalters. Von Isaak Heinem an.n. Seit unserem letzten Bericht (1932) sind außer dler 1933, 394 angezeigten Gesamtdarstellung Julius Guttmanns eine erfreuliche Anzahl van Arbeiten erschienen. Wir möchten hier ihre Gesamtrichtung kennzeichnen, da die Arbeit an: Maimuni, die allerdings im Vordergründe der Forschung steht, nur aus dieser zu verstehen und zu beurteilen ist. Alexander Schück, Glauben und Wissen nach R. Mose ben Maimon, Temesvar 1933, 128 S., steht auf dem Standpunkt: ,,die vor« züglichsten Quellen( der jüdischen Philosophie sind Bibel und Talmud". Im Gegensatz zu Julius Guttmann, der einen ,methodischen Unterschied zwischen der talmudischen und der philosophischen Behandlung der weit״ anschaulichen Probleme armimmt, sucht Schück einerseits zu beweisen, daß der Talmiud ״Wissen! und Wissenschaft" durchaus bejaht, andererseits, daß die jüdischen Philosophen keine ״Superiorität der Vernunft" gelehrt haben; hierin stimmen sie überein; auch Jehuda Halevi: ״verfolgt in dei Frage von Glauben und׳ Wissen prinzipiell dieselbe von der Überlieferung und Tradition (I) stammende Richtung" (65). Für den Unterschied zwischen Wissen und Wissenschaft,; insbesondere in deren Anwendung, .auf .Fragen der Weltanschauung, fehlt Schück leider jedes Verständnis. Daß die Philo״ sophen des Mittelalters methodisch neue Wege eingeschlagen! haben, zeigt die Opposition gegen sie, nach welcher, wie es Bachjas Übersetzer S. 12 Stern formuliert הקבלה תעמד במקום העיון♦ Der Gegner bekämpft also nicht ״die Forderung nach Erkenntnis und Wissen" (109. Mitte), wohl aber den An״ spruch der Vernunft und Wissenschaft, als selbständige Erkenntnisquelle, auch in Fragen von religiösem Belang, neben die Offenbarung und Über״ lieferung zu treten. Und da der Sinn der Offenbarung nach der Meinung der mittelalterlichen Philosophen durchaus nicht eindeutig ist, so bestand für sie trotz ihres Offenbarungsglaubens durchaus die Möglichkeit, philosophische Lehren auf dem Wege der Interpretation anstelle der überlieferten! zu׳ setzen, also in manchen Punkten der Wissenschaft unbewußt stärkeren! Einfluß ein״ zuräumen als dem Judentum. Die Frage des Zusammenwirkens dieser Kom״: ponenten bedarf natürlich eingehender Untersuchung; ich kann aber nicht finden, daß sie Sbhück trotz seines Fleißes gefördert hat. Sehr ernst zu nehmen ist dagegen der Angriff, den! Leo Strauß in einer Reihe löse verbundener Aufsätze, unter dem gemeinsamen Titel״ ׳Philo״ Sophie und Gesetz. Beiträge zum Verständnis Maimunis und* seiner Vorläufer" (Berlin, Schocken״Verlag 1935, 122 S,;kart. M. 6,—, Halbleinen M. 7,20) gegen die landläufige Auffassung der mittelalterlichen Philosophie vorträgt. Anknüpfend an frühere Forschungen, namentlich über Spinozas Religionskritik, geht der erste; (,,Einleitung" über schrieben!©) Aufsatz davon aus, daß die Aufklärung die Orthodoxie nicht bündig, widerlegt habe; die Auseinandersetzung zwischen beiden dürfe nicht durch ■eine angebliche 13*