Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 13)
- Language
- German
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Hermann Cohens Spinoza-Auffassung 193 spielend und nebenbei, gewidmet ist, spricht dieselbe Verderbliehe Grundanschauung aus. Sagt er doch von den Juden: ״Ja, wenn die Grundsätze ihrer Religion ihren Sinn nicht verweichliehen, so möchte ich ohne weiteres glauben, daß sie einmal, bei gegebener Gelegenheit, wie ja die menschlichen Dinge dem Wechsel unterworfen sind, ihr Reich wieder aufriehten und daß Gott sie von neuem auserwählt.“ In diesem Falle aber, dem Spinoza übrigens als durchaus unbeteiligter Zuschauer gegenüberstehen würde, müßten auch die staatlichen Zeremonialgesetze wieder eingeführt werden36. War also Spinoza nicht beinahe — Zionist? In der Tat: Cohens Kampf gegen Spinoza und sein Kampf gegen den Zionismus haben den gleichen Quellpunkt in seinem religiös-messianischen Judentum. Und die nach 1910 immer noch zunehmende Schärfe der Äußerungen gegen Spinoza erklärt sich z. T. aus dem immer aktueller werdenden Kampfe gegen den Zionismus: beiden gegenüber fühlte er sich in seinem heiligen Recht als echter Glaubensstreiter37. Wir halten inne und überschauen, in der Nacht dieser Gegenwart, unser Ergebnis. Cohens Messias ist als Pseudomessias entlarvt, das ist gewiß: das prophetische Judentum kann . 35 Theologisch-politisches Traktat, hsg. v. Carl Gebhardt, 3. A.r Leipzig 1908, S. 75. Vgl. zur Interpretation einen Aufsatz von Leo Strauß in der Spinazanumm-er des ״Bayerischen Israelitischen Familienblattes". 31 Zwei Zitate von vielen: ״Aber wo die Religion, die Eigenart unserer Religion nabh der philosophischen Verwirrung unseres Zeitalters (1), wie von einem höheren Kulturbewußtsein aus, allenfalls mitgenommen, aber herabgesetzt, nicht in den Schwerpunkt unseres jüdischen Wesens, unseres gesamten Kulturlebens, unseres geschichtlichen Seins und Fortbestandes eingesetzt und festgellegt wird, da sei Gott vor, daß wir mit solchen verwirrten Söhnen; unseres Stammes Frieden halten dürften." Brief an den Misrachisten Justizrat Dr. Bmil1 Frankel vomi 26. Februar 1914; Jüd!. Schriften, II, S. 478. In dem ״kritischen Nachwort als Vorwort" zur zweiten Auflage seiner Bekenntnis-Kriegsschrift ״Deutschtum und Judentum" verteidigt er sich gegen die inzwischen lautgewordene Kritik von antisemitischer und zionistischer Seite u. a. mit d'em höchst kennzeichnenden Satze: ״Das ist der linsegen, den die vorherrschende Literatur mit ihrem Pantheismus über uns gebracht hat, daß auch das Christentum nur in seiner Tendenz zum Pantheismus gewürdigt, das Judentum aber von Spinoza (Sperrung von mir. E. S.) für abgetan gilt." A. a. O., S. 296. Monatsschrift, 79. Jahrgang 13