Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 12)
- Language
- German
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192 Ernst Simon . ends: mit beinahe lyrischem Klageton wirft ihm Cohen immer wieder vor, daß er die jüdische Lehre von den Noachiden und von den ״Gerechten der Völker ' verschwiegen hat34• Mit dieser letzten Konsequenz haben wir nun einen zweiten persönlichsten Kern in Cohens Spinozagegnerschaft berührt, den auch Rosenzweig und Guttmann schon andeuten: jene — übrigens in der christlich״antisemitischen Argumentation des Mittelalters längst weitverbreitete ־־^ These von der partikularistischen Nur-Staatlichkeit der jüdischen Gesetze hat auf dem Umwege über Mendelssohns ״Jerusalem" Kants Auffassung vom Judentum bestimmt und damit Cohen in seinem — ״Pseudomessianis״* mus" aufs tiefste getroffen. Er, der sich mit Kant in allen systematischen Grundüberzeugungen einig wußte und der andererseits mit Befriedigung Kants mangelnde Sympathie für Spinoza feststellen konnte, war gerade in d e m Punkte mit Kant uneinig, in dem jener mit Spinoza einig war und der für Cohen immer entscheidender zum innersten Herzpunkt wurde: in der Frage des Judentums. Daß er hier zu keiner Übereinstimmung kommen konnte, mußte ihn stutzig machen über die Möglichkeit der vollen Rezeption eines prophetisch-jüdischen Judentums in die piatonisch-kantische Welt des deutschen Idealismus. Cohens Messianismus wäre gleichsam erfüllt gewesen, wenn Kant das prophetische Judentum in seiner lebendigen Tiefe erfaßt hätte35. Daß er es nicht tat, hielt die Erlösung auf:. Spinoza, der Widersacher und Abtrünnige, hatte sie aufgehalten. Ja, noch mehr! Nicht nur die jüdische Vergangenheit sah und lehrte Spinoza im fälschenden Bilde des Staatsgötzentüms; auch ein Aperqu, das der jüdischen Zukunft, wenn auch mehr 34 Jüd. Sehr., HI, S. 330r S. 346 ff.* 372: 3 mal im gleichen Aufsatz! (1915); •ReL dl Vernunft, S385 .׳ ff. (1917); Logen-Vartragi von 1910 in ״Festgable.. S. 64—67; mit einer sehr künstlichen Interpretation und! Konjektur d!er MaimonidessteUie. 35 Man nehme etwa die folgend;© Äußerung: ״So hatte das Ghetto und die beständig© Furcht vor Verfolgung ihren. Blick verengt und verdunkelt. Jetzii ־aber erstand ihnen der Messias am deutschen Geiste wied er. (Im Original gesperrt. E. S.) Der Vöikerfrühling, den Herder herauf führte^ gab ihnen ihr Eigenstes wieder, den Messias ihres Propheten in der Humanität der Völker, in der Menschheit der deutschen Ethik/4 Aus ״Deutschtum und Judentum", 19.15y Jüd. Schriften, II,■;267.