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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 191

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
Date
1935-01-01
Page
Seite 191 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Hermann Cohens Spinoza-Auffassung־ 191 schlossen, da er das All der Sittlichkeit mit dem der Natur identifiziert. ׳ ־ . 4. Spinozas Mensch soll Herr seiner A f f e k te werden; er liebt nicht, weil er dann auch hassen müßte. (Spinozas Trieblehre nimmt bekanntlich Freuds Lehre von der Ambivalenz im Kern vorweg28.) Cohen aber bejaht die Affekte und lehrt: Das Leid ist wegen des Mitleids da29. Der Mensch also ist nicht nur für Gott da, sondern auch für den Mitmenschen, für jeden Mitmenschen. Die zwischenmenschliche Beziehung aber bedarf der Affekte. Und unsere Beziehung zu Gott bedarf der zum Mitmenschen. ' ' 5. So liegt in Spinozas Aristokratismus, der die Menge nicht der Erkenntnis und damit nicht der Sittlichkeit für fähig hielt, der nicht wußte, daß die Pflicht des Thoralemens höher als jede andere steht, sein eigentlichstes ״Mißverhältnis zum Monotheismus“30. ״Der Hiob unseres Zeitalters fragt nicht mehr, ob der Mensch überhaupt mehr Sonnenschein als Regen habe, sondern ob der eine Mensch mehr leide als sein nachster“31. Cohen, der Sozialist, schlägt Cohen, den Rationalisten, aus dem Felde, und so fragt er sogar gegen Sokrates: ״Die Tugend ist Wissen. Wissen aber kann auch der Arme haben. Kann er es wirklich32?“ Das klingt beinahe wieder spinozistisch, wenn es nicht so dynamisch-revolutionär klänge! 6. Für Spinoza ist mithin die Religion, als der Glaube der Masse, nie ״Religion der Vernunft“, und auch das J u d e nt u m ist es nicht. Ja, er versteift sich zu dem ״ungeheuerlichen Satze“, das Judentum sei ״eigentlich gar keine Religion“, sondem nur der ״Inbegriff bloß statuarischer Gesetze, auf welchen eine Staatsverfassung gegründet war“33. Den Universalismus des Judentums verfälscht und verleugnet er voll״ 28 Ethik di. r. Wv S. 219. Vgl. Gertrud Jung, Die Affektenlehre Spinozas, Spinozaheft der Kantstudien, 1927, S. 85 ff. 29 Religion der Vernunft., 2. A., S. 19. 30 a. a. CVS. 406. 81 Kants Begründung der Ethik, S. 368. (Schon erste Auflage.) 32 Religionder Vernunft, S. 165. 33 ״Innere Beziehungen dier Kantischen Philosophie zum Judentum^ 1910, Jüdische Schriften S. 285 ff.

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