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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 190

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
Date
1935-01-01
Page
Seite 190 (sequence 10)
Language
German
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190 Ernst Simon 1910 an jenen persönlich-affektiven Ton in der Polemik mit Spinoza vorwalten zu hören, der dann in dem Haßaufsatz des Jahres 1915 seinen von Leo Strauß zurückgewiesenen gesammelten Ausbruch erlebt. Cohen war allzu dicht am Schicksal Spinozas vorbeigeschritten, als daß seine Selbstbefreiung nicht deh Ton der Anklage gegen den großen Bruder und Widersacher hätte suchen müssen. Nun, 1910, heißt es von Spinoza: ״Dieser hatte die Juden verlassen, und zwar bevor diese ihn verließen24“, denn nun hatte Cohen sein Judentum endgültig wiedergefunden. Unter diesem, ganz personhaftem, Gesichtspunkt werden nun vielleicht auch einige sachliche Differenzen zwischen Cohen und Spinoza eine z. T. neue Beleuchtung erfahren. Wir zählen sie kurz auf: 1. Der Pantheismus vernichtet die P e r s ö n 1 i c h k e i t, sowohl die Gottes wie die des Menschen. Aber: ״Ebenso wie Gott soll auch der Mensch erhalten bleiben. Das ist der letzte Sinn der Religion“2^. 2. Wenn Gott gleich Natur ist, so ist R e c h t g I e i c h Macht. Die Lehre vom ״totalen Staat“, die sich bei Spinoza aufweisen läßt26, führt zur Staatsvergötzung; der jeweilige Zu« stand wird mit dem Gottesreich identifiziert. 3. Damit wird der M e s s i a n i s m u s entwurzelt und die Erlösungsbedürftigkeit der Menschheit im Keime getötet. ״Der Friede, den die Löbredner des Spinozismus als so beseligend schildern, er gerade ist verräterisch“27. Des Menschen wahrer Friede aber besteht nicht in seiner Einheit mit dem All, sondern in seinem begrenzten Stück Lebensraum. Sein All ist das der sittlichen Idee, das neben dem All der Natur steht; beider höhere Einheit, die Gottesidee, wird vom Pantheismus ausge- Schriften :zur Philosophie und Zeitgeschichte, Berlin 1928y Bdi. II, $ 502). Dort vermißt Cohen bei Freudenthai den Sinn für die D ä manie Spinozas: das Wort zeigt ihnr über den schlichten Gelehrten hiinwegy scharv inammittelbarer Nachbarschaft mit dem Gegner: der Dämonisch-Ironische tritt neben den Gläubig-Pathetischen,. Vgl. J. Sehr. HI., S. 364 (1915). 24 Kants Begründung der Ethik, 2. AVS. 467. Vgl. ״Festgabe.: .'V S• 59. 25 ״Der Begriff der Religion im System der Philosophie44, Gießen! 1915f S. 134.,. . .. r .-:r; 26 TLeologiis^ XVII, §§ 5—-8> 13.; :, ST , Ethik d. r* W.r S. 465. So schon in der 1. Auflage, 1907.;

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