Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 9)
- Language
- German
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Hermann Cohens Spinoza״Auffassung 189 nur die Echten können mich verstehen und dulden19"'. Nun ist alles deutlich: 1907 hielt es Cohen selbst noch für nötig und möglich, daß der Philosoph das Opfer des Gefühls bringe; 1910 wirft er Spinoza vor, daß er es gebracht habe. Wenn Franz Rosenzweig als das erste Jahr der Cohenschen Umkehr das Jahr 1880 festsetzt20, wohl weil Cohen sich damals, nach drei״ zehnjähriger Pause, überhaupt wieder jüdischen Fragen zuzu״ wenden begann, und wenn er dann für den Zeitraum zwischen 1904 und 1911 eine ״Akzentverschiebung" bemerkt21, so dürfen wir nun, in ergänzender und vielleicht auch weiterführender näherer Bestimmung dieser Rosenzweigschen These22, das Fol״ gende feststellen: Der große innere Umbruch bei Cohen liegt zwischen 1907 und 1910, zwischen der zweiten Auflage der ״Ethik des reinen Willens" und der zweiten Auflage von ״Kants Begründung der Ethik". In moderner Terminologie würde man diesen Umbruch den zur — freilich ihm selbst unerkannt, im Idealismus ver״ steckt gebliebenen — ״Existenzialphilosophie", zum Standorts״ gebundenen Denken nennen. Das innerst Persönliche, von dem zu abstrahieren noch 1907 das ״Schicksal" dem Philosophen befiehlt, wird nun selbst zum Schicksal. Wer es mit seinen ״in״ timen Zwangsvorstellungen" außer acht läßt, erreicht auch in der geschichtlichen Wirkung seiner Philosophie nicht das volle Licht und die letzte Reiferer ist nicht nur schlechter, er d e n k t auch schlechter. Spinoza ist — für den Cohen von 1914 — der einzige Kulturmensch, der über den Religionen steht. Aber, so fragt er mit unheimlicher Aktualität, ״wird es ihm über das 20. Jahrhundert hinaus zum Ruhme gerei״ c hen23"? Wir werden uns nun nicht mehr wundem, vom Jahre 19 Neu auf gefunden er Brief an Rabb Dr. Munk in Marburg, mitgeteilt von Hcko S. 33. Dort beißt es irrtümlich: ,,während der Drucklegung der Ethik“, statt wie im Text. 20 Einleitung zu den Jüdischen Schriften, LXIV. 21 Ebenda XXXVIII. 22 Sie wird von Ucko, Graupe und Lewkowifiz׳, a. S, 6, überhaupt be״ stritten׳. 23 Die religiösen Bewegungen der Gegenwart; Jüd. Sehr׳, I, S. 42, Das Motiv klingt leise vor in Cohens Rezension der Spinozabiographiie von J. Frea1dentbalr die 1904 im Literarischen Zentralblatt erschien; (Heute: