Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 188

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
Date
1935-01-01
Page
Seite 188 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839349--53383-2839496
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

188 Ernst Simon über aber doch die Befrachtung sich nicht zurückdrängen läßt: ״wieviel lichtvoller und reiner die geschichtliche Wirkung dieser Arbeit Spinozas geworden wäre, wenn eine Spur von jenem Pflichtgefühl der Dankbarkeit/der Treue und auch selbst dem Hochgefühl seiner Mission gegenüber, der Bescheidenheit und der dadurch geweckten theoretischen Selbstkritik ihm beigewohnt hätte, wie alle diese Tugenden zur Schwäche Kants an diesem Punkte beitrugen"18. Halten wir zu diesen höchst bedeutsamen Worten eine Brief stelle, die nur drei Jahre zurückliegt, nämlich während der Drucklegung der 2. Auflage der ״Ethik"", am 27. März 1907 geschrieben wurde. Es heißt dort: ״Mein Geschick ist von ganz eigener Art. Wenn es Menschen gibt, die das sacrificio dell intelletto bringen, so bringe ich das delsentiment o. Sie wissen*, wie sehr ich mit den tiefsten Regungen meines Herzens und den innigsten Gefühlen meines Geistes mit dem inneren Leben unserer Religion verknüpft bin; aber Abstraktion ist auch hier mein Schicksal, und des herrlichen Aufsatzes von 1908 ״Charakteristik der Ethik Maimunis"' hervor. Aristoteles wird dort seines Antimessianismus wegen mit Worten angegriffen, die auf Spinoza gemünzt sein könnten! (Jüd•. Sehr. IL, S. 227 f.), und schließlich ruft Cohen aus: ״Der Gott des Aristoteles in Ehreny •aber der Gott Israels ist es wahrlich nicht/" (S. 239, v!glL S. 248). — Daß seine Beurteilung des Maimionides sachlich gerechtfertigt ist, würde eine hier nicht vorzunehmende genaue Interpretation von Moreh, H, 25 erweisen. Dies Kapitel׳ ist weltanschauungspsyehologisch der Kern des Buches: wie hier bei Maimunis zweiter Hauptthese — der Er schuf fenheit der Welt (neben der Unkörp erliciikeät Gottes) — das religiöse Interesse ganz offenkundig eingesetzt wird, da der logische Beweis nicht über!eine gewisse Wahrscheinlichkeit hinauskomiht, dies zeigt die Glä ub e n Sgr e׳niz e des m aimon idiisch en Rati on alismus, gerade weil dasselbe Kapitel dessen! kühnste Zuspitzung in dem ולא שערי הפירוש;סתומים gegenüber dem ersten -Satz der Thora enthält. [S. auch u. S. 196 f. I. H.] 18 a. a. O., S. 467. Ähnlich in dem Logenvortrag von 1910: ״Spinoza mußte beim Abendmahl mit klammernden Gefühlen an den Sedbrabend denken(Festgabe zum zehnjährigen Bestehen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, Berlin 1929, Franz Rosenzweig, Ern ungedruckiter Vortrag Hermann Cohens über Spinozas Verhältnis zum Judentum׳, S. 63). Vgl. ebenda S. 64: ״... so kann er nicht bis in sein Mannest alter gedacht haben, während er. unter dem Zauber dieser heiligen Gebrauche gelebt und unter ihrem Schatten dem Studium der Lehre obgelegen hat/" Der Vortrag ist im übrigen erheblich maßvoller als die Schrift von 1915r erklärt aber dien Bann bereits als gerechtfertigt. (S. 59.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.