Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
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Hermann Cohens Spinoza-Auffassung־ 187 spinozistische Unterstellung, nur ein Affekt zu sein: der Affekt (für Gehen ein Willensgefühl, der Motor des Willens, nicht sein Motiv) ״treibt die Mühle (des Willens), wie der Wind sie treibt, aber er enthält das Kom nicht, das zu mahlen ist". Den Inhalt bildet das Denken im Begriffe . . . ״Die Aufgabe bildet den geistigen Inhalt; den seelischen Schwung gibt der Affekt14." Aber dieser Irrtum Spinozas ist für Cohen im wesentlichen ein nur terminologischer, und gerade in dessen moralischem Sinn und seiner ״Vorurteilslosigkeit und Energie" begründet15. Diese Verteidigung der moralischen Motive Spinozas bleibt auch 1907 stehen. Dasselbe Jahr bringt auch noch eine weitere, im Persönlichen freundliche Stelle: in der auf dem Frankfurter Verbandstag der deutschen Juden gehaltenen Rede ״Religiöse Postulate" heißt es, als von der religiösen Tugend der Pietät die Rede ist: ״Kein Wunder, daß auch Spinoza in seinem Bücherschrank aus der schönen Literatur nur spanische Bücher stehen hatte." Und nun nähern wir uns dem entscheidenden Punkte. 1907 gesteht also Cohen Spinoza noch die persönliche Tugend der Pietät zu; 1910 spricht er gerade sie ihm ab. In jenem 4. Teile von ״Kants Begründung der Ethik", der erst in der zweiten Auflage, also 1910, hinzugetreten ist, werden innenhalb der religiösen Aufklärung, zu der ja auch Cohen sich selber rechnete16, zwei verschiedene Typen unterschieden; einmal diejenigen, die wie Descartes, Newton und Kant ״die intimen Zwangsvorstellungen" ihres religiösen Mutterbodens niemals ganz los werden und ihre Religionskritik daher stets mit einer von innen her gehemmten Vorsicht vollziehen, und andererseits diejenigen, die, wie Spinoza zwar ״kühner und schärfer in der Durchführung" ihrer Pläne ״zur Befreiung der Menschen von der Macht der Religion" Vorgehen können17, denen gegen- 14 $. 200. 15S. 218. V;gi denselben Gedanken schon in dem Aufsatz aus dem Jahre 1900 ״Autonomie und Freiheit4', Jüdische Schriften III, S. 39. 16 Vgl. zum Problem des Cöhenschen ״Rationalismus44 die gute Anmerkung‘ bei Ucko S. 33. 17 Kants Begründung der Ethik, 2. A. S. 466. Daß Cohen auch Maimöniides zu jenem ״ni chtspinozis.tischen44 Auflklänertypus rechnete^ dem er Kant und! sich selbst zuzählte, geht aus vielen Wendungen