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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 182

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
Date
1935-01-01
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 Ernst Simon und Antijudaismus sich, ohne mit Cohen irgend einen dolus an״ nehmen zu müssen, aus dem Zwange des Systems und der Zeit״ läge ergeben. Die weiteren Arbeiten von Leo Strauß über Spinoza4 lassen vermuten, daß er heute zwar das über Spinoza in jener ersten Arbeit Gesagte kaum würde wesentlich revidieren müssen, aber dem tieferen Grund der Cohenschen Ungerechtigkeit würde ge״ rechter werden können als damals. Gibt er doch selbst zu, daß Cohens Radikalität des Fragens in der Spinoza״Sache ihm den Antrieb zu seinen weiteren Forschungen gegeben hat. Wie Strauß schon früh den ganzen Spinoza in den Blick bekommt, so wollen wir es heute mit dem ganzen Cohen zu tun haben und seine, nicht immer einheitliche, Haltung zu Spinoza von seinen Kemuberzeugüngen her darstellen. Es wird sich dann ergeben, daß wir Cohens jüdischen Weg an seiner Haltung zu Spinoza mit ablesen können, und dies Ergebnis wird ein mehr als nur biographisches sein. Franz Rosenzweig hat schon in seiner ״Einleitung“ zu Cohens ,;Jüdischen Schriften“ auf jenen frühen Aufsatz Her״ mann Cohens hingewiesen, der das Thema Heine in einer stark spinozistischen Weise behandelt5. Der Aufsatz wurde 1867 von dem 25jährigen Cohen geschrieben und eröffnet genau 50 Jahre philosophischer Produktivität. Bezeichnen wir Anfang und Ende des Weges durch je ein Zitat! 1867 heißt es: ״Beim Pantheis״ mus wird ebenso gut wie beim Theismus die E i n h e i t G o t •־־ tes angenommen“6. 1917 aber heißt es: ״Der Monotheismus verträgt keine solche Vermischung, keine Entstellung des Seins durch das Dasein. Ihm ist der Pantheismus nichts anderes als Anthropomorphismus. Widerspruch dagegen enthält nicht nur die These: D eu ssive na t ur a, sondern schon das ontolo״ gische Argument, insofern es die Existenz in die Essenz invol״ 4 Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung undl Erhaltung einer Akademie •für; die •Wissenschaft des Judentums, 1926, und ״Die Religions״ kritik Spinozas als Grundlage seiner Bibelhvissenschaft“, Berlin, 1930. 5 Heinrich Heine und• das Judentum, J.״Schr., H, S. 2 ff. Rosenzweig a. a. O., S. LV. Vgl. auch Julius Guttmann, Die Philosophie des Juden״ tums, München 1933, S. 350. 6 A. a. O., S. 29.

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