Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu Hermann Cohens Spinoza-Auffassung
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
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Hermann Cohens Spinaza~Auffassung 183 viert. Dadurch mag es die Einheit der Substanz definieren, ihre Einzigkeit aber wird dabei aufgehoben"7. Es ist, als ob der 75jährige Cohen hier dem 25jährigen antworte8: an der Einheit der Substanz, die Dein Spinoza sichert, ist es nicht genug: ihre Einzigkeit muß hinzutreten. Dies also sind Anfangs- und Endpunkte des Weges. Was sind seine Stationen? Das erste große wissenschaftliche Buch, in dem Cohen sich ausführlich mit Spinoza auseinandersetzt, ist das zweite, das er überhaupt geschrieben hat, nämlich ״Kants Begründung der Ethik", die 1877 dem Erstlingswerk ״Kants Theorie der Erfahrung" (1871) folgte. Die Hauptthese dieser Auseinandersetzung ist, daß der Pantheismus mit seiner Identifizierung von Sein und Sollen eine wissenschafliche Ethik überhaupt unmöglich mache und Spinoza daher auch nicht, wie man irrtümlich behaupte, die Ethik neu begründet haben hönne. Nun ist es aber für unsere Untersuchung besonders bedeutsam, daß Cohen diese systematische Überzeugung zwar schon in der ersten Auflage des Werkes völlig klar gefaßt hat und ausspricht — ist er doch seit dem Heine-Aufsatz von vor 10 Jahren längst zum Transzendentalphilosophen geworden —, daß er sie aber in der zweiten Aufläge, 1910, in einer ganz anderen Affektlage wiederholt. Dies mögen einige Vergleiche zwischen den beiden Auflagen zeigen. 2. Auflage 1910 ״Ein ater, in״ einer Tendenz der Aufklärung wurzelnder Irrtum ist es, daß ...... Immer nur ist es, wenngleich im ״Lichte* des Ewigen“.... (mit Anführungszeichenl) 7 Religion ■der Vernunft aus den Quellen des Judentums, 2. A., Frankfurt a. Mv 1929, S. 52. 8 Eine ähnliche ״Selbstbegegnung“ des alten mit dem jungen Cohen ergibt sich im Fable des Urteils über seinen Lehrer Heinrich Graetz: wahrend des Treitschkestreites i. J. 1880, rechnet er ihn, mit scharf ausschließendem Tadel, der ״Partei der Palästinenser“ zu, hallt ihn also für keinen deutschen Juden; in dem Altersaufsatz zur 100-Jahrfeier ״unseres Graetz“ 1917 verkehrt sich derselbe Gesichtspunkt zu dem preisenden Schl'ußakkord: ״Seine Seele war eine Zionsseele“. (Jüd. Schriften II, S. 85 f. und S. 453.) 1. Auflage 1877 S. 4. ״Ein alter, in; einer guten Tendenz wurzelnder Irrtum, ist es, daß Spdjnoza die Ethik neu gegründet habe. Ummer nur ist es, wenngleich im Lichte des Ewigen, die Ersehe!!- nung des Sittlichen im ...