Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung Achad Haams zu Maimonides
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Stellung־ Achad׳ Haams zu Matmonides 179 Vernunft aufzurichten auch auf dem Gebiete der Religion? Es sind nicht nur methodische Schwächen seiner Darstellung, die uns ein Fragezeichen hinter seine Ausführungen setzen lassen. Das Lehrgebäude M.s enthält die Möglichkeit verschiedener Deutungen. M. selbst hat seine Schrifterklärung als Hauptstück angesehen, andere kamen und haben, ihren eigenen Tendenzen folgend, abwechselnd seine Metaphysik oder seine Ethik zum Schlußstein seiner Lehre erklärt14. M. mag die Absicht gehabt haben, die Achad Haam ihm zuschreibt. Aber schon die Absicht als solche wird sichtlich durchkreuzt. Nicht nur daß gewisse Erscheinungen der jüdisehen religiösen Erfahrung, wie etwa die Prophetie, einer anderen Erklärung bedürfen, als sie die natürliche Erkenntnistheorie darbietet — voluntaristische, im Judentum beheimatete Vorstei״ lungen brechen aus der behaupteten Identität von Wollen und Denken aus und führen ein selbständiges, die Einheit der M. Lehre drohendes Dasein. Und wie verhält es sich mit der Vor- Stellung von Gott? Mag sein, daß sie zum Begriff Gottes sich abstrahiert, so ist doch dieser Begriff der Begriff eines lebendigen persönlichen Gottes, dessen notwendige Existenz im Denken erkannt, dessen Allmacht und schöpferische Freiheit aber von dem religiösen Gefühl empfunden wird. Der Zug zur Rationalität ist im Judentum unverkennbar, und die Erkenntnisaufgäbe eine immer von neuem gestellte. Aber nur die כללים bieten sich dieser Erkenntnis dar, Gott, der כלל גדול über ihnen und die פרטים unter ihnen bleiben für sie unauflösbar. Sie bleiben׳ bei;sich und lassen die Lichtstrahlen der menschlichen Vernunft nicht hindurch. Darin bleibt eben auch die Mischne Torah י— Torah. Der Widerstand, den das Judentum der letzten philosophischen Durchdringung entgegensetzt, wird erst ganz verstündlich mit der Einsicht in den komplexen Charakter seines Systems: Es läßt sich nicht sein ganzer Gehalt in evidenten Sätzen ausdrücken. Das Judentum ist geschichtliche Religion, auf geschichtliche Glaubenstatsachen sich gründend; es ist ein 14 David׳ Kaiifma'wn, dler die Architektonik des More untersucht,, weist i׳m Einzelnen nach, daß es nicht in der Absicht von M. g־eleg־en hat, ein schulgerechtes ״philosophisches System“ zu schaffen (Geschichte der Ättributenüehre, S. 366). 12»