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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 180

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Die Stellung Achad Haams zu Maimonides
Date
1935-01-01
Page
Seite 180 (sequence 13)
Language
German
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180 Max GrünewaJd im Geschichtlichen sich darstellender Lebensvorgang, der der Erkenntnis bedarf, sie herausfordert, sie aber niemals völlig be״ friedigt15* *’ - ' Achad Haam, der auf eine so tiefe und mannigfache Art den Lebens Vorgängen, der ״Biologie'' des Judentums nachgegangen ist, hat doch die Symbiose von Nationalem und Religiösem, auf die wir in den Dokumenten des Judentums immer wieder stoßen, hier nicht genügend gewürdigt. Sonst hätte er nicht in dem Schlußstück seines Aufsatzes das Religiöse und das Nationale so schärf getrennt, während beides doch in einer unauflöslichen und sich wechselseitig erneuernden Verbindung steht. Trotz dieses Eiriwands ist das, was Achad Haam über das Verhältnis M.s zum Volke ausführt, bedeutsam. Wir sind, an der Romantik geschult, gewohnt, die Entstehung eines Volksbewußtseins oder einer Volkserneuerung aus Irrationalem herzuleiten, aus nationalen Gefühlen oder aus einem Volksgeist, der aus sich heraus schafft und keiner Kontrolle unterliegt. Diese Vorstellung behält ihr Recht, und sie hat auch in der modernen jüdischen Bewegung eine große Rolle gäspielt. Aber indem Achad Haam auch M. für die Erhaltung des Volksgeistes in Anspruch nimmt, ihm das nationale Elementargefühl zuerkennt — und das sogar mit dem Werk M.s, das für Achad Haam einer Inthronisierung der Vernunft gleichkommt, beteiligt er auch die heile; wache Vernunft an der schöpferischen Entwicklung des Volkes. Diese vollzieht sich nicht nur in der dunklen Werkstatt irrationaler Vorstellungen, sondern in dem hellen Tageslicht eines Geistes, der nicht müde wird, über sich und seinen Weg Rechenschaft abzulegen. Wie sehr empfinden wir doch diese tiefe Absicht Achad Haams — mag ihre Durchführung nun geglückt sein oder nicht — als dem Judentum verwandt. Und wie treu war er doch damit sich selbst. Denn das war doch seine Lebensaufgabe, die vergangenen und die gegenwärtigen Lebensprozesse des Judentums kritisch zu überprüfen, freilich nicht mit liebloser Kritik, sondern mit kritischer Liebe. 16 Die im vorstehenden: Absatz vorgetragene Auffassung Maimunis berührt sich stark mit neueren, dem Herrn Verf. noch nicht zugänglichen Forschungen: s. oben S. 138, 189 und unten S. 197 f. I. H.

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