Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung Achad Haams zu Maimonides
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 11)
- Language
- German
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178 Max Grünewald Hoffnung auf die Erhaltung und Erneuerung des Volkes ist die notwendige Bedingung für die Erhaltung des Gesetzes. Was der Ausblick auf עולם הבא für den geistigen und religiösen Weg des Einzelnen ist, das bedeutet die ferne Aussicht von תחית המתים für das Volk, für ein Volk, das unter absonderlichen und niederdrückenden Bedingungen lebt. Dieser Glaube ist also eine Art Ersatzvorstellung für das schwächer gewordene nationale Bewußtsein. Und darum — wer die Wiederbelebung der Toten leugnet, ist ein כופר בעיקר. Und obwohl der Glaube an die körperliche Belebung in schroffem Widerspruch steht zu seiner Seelenlehre und zu seiner Auffassung von עולם הבא, kann er nicht auf ihn verzichten. Er selbst aber findet die geheime Quelle dieser Inkonsequenz nicht, weil er sie nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Verstände sucht. Eine weitere Bestätigung des nationalen Gefühls bei M. sieht Achad Haäm in dem Gebrauch der hebräischen Sprache, in dem Bedauern; das er darüber äußert, nicht alle seine Schriften in der hebräischen Sprache geschrieben zu haben. — Daß er in dem Mischne Torah den gesamten Gesetzesbestand mitgeführt hat, obwohl er doch nur in seihen allgemeinen Bestimmungen der Ratio zugänglich ist, auch das Ist nur aus der großen nationalen Liebe zu dem geistigen Besitztum des Volkes zu erklären. Stellt es auch nicht in allen seinen Teilen den höchsten Wert dar, so ist es doch im Ganzen ein Ausdruck des schaffenden Volksgeistes. Und schließlich, auch die große Leistung des Moreh, auch die Verwandlung der Glaubenslehre in philosophische Wahrheit wird erst vom nationalen Gefühl aus verständlieh. Denn die philosophische Begründung und der philosophische Beweis schafft um die in der Golah nach allen Seiten hin ungesicherte Lehre eine schützende Mauer. Während man sonst im Mittelalter nur Vertrauen hatte zu einem Judentum, das die Grenzen der Vernunft übersteigt, hatte M. nur Vertrauen zu einem Judentum, das ״vernünftig" ist. Das ist also der sehr kühne Schluß der Achad Haanfschen Darstellung: Für M. ist die Philosophie der ״Zaun um die Lehre". Qb Achad Haam der Nachweis geglückt ist, der Nachweis, daß es M. um nichts anderes zu tun ,war, als die Herrschaft der