Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung Achad Haams zu Maimonides
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Stefan,g־ Ächadi Haams zu Mairrvorides 177 anzuvertrauen oder auf Kosten der Lehre die Philosophie zu wählen. Die neue Verbindung, die M. zwischen beiden stiftete, bedeutete aber in Wahrheit Befreiung der Vernunft aus den Fes« sein einer äußeren Autorität. Erst allmählich erkannte die Nach« weit, daß die כפירה M.s nicht in einzelnen anfechtbaren Lehr« meinungen liegt, sondern eben in dieser Herrschaft der Ver« nunft, die er als erster Religionsphilosoph aufrichtete und die in der Geschichte des Denkens mächtig weiter wirkte. Den letzten Teil seines Aufsatzes widmet Achad Haam der Frage: Hat M. ein Verhältnis zum Nationalen gehabt und wel« eher Art ist es? Er ist sich darüber klar, daß der vom 19. Jahr« hundert hervorgebrachte Begriff des Nationalen nicht für das Zeitalter M. zu übernehmen ist. Aber ebenso sicher ist es ihm, daß das nationale Gefühl niemals zum Erliegen gekommen ist und auch nach der Zertrümmerung des Staates in mannigfachen Ausdrucksformen sich erhalten hat. Es führt im Schaffen M.s kein bewußtes Leben. Er hätte hundert Mal Gelegenheit ge« habt, von ihm zu sprechen; nicht nur bei der Begründung der Gebote, die er nach Achad Haams Vorwurf im ״Kosmopoliti« sehen“ sucht, wo sich Erklärungen aus Nationalem von selbst anbieten13. Unbewußt aber als eine natürliche Kraft trieb auch in seinem Schaffen die Strömung des nationalen Gefühls und dies so stark, daß sie ihn zu Widersprüchen fortriß und ihn aus der Richtung seines Denkens herausbog. Ein Beispiel: Es ist verwunderlich, daß M. der von anderen die Definition forderte und selbst keinen Schritt im Denken tat ohne zu definieren, die Glaubensartikel einfach hinstellte ohne zu definieren, was er. unter dem עיקרים verstanden wissen will. Er tat das, so meint Achad Haam, weil er sonst den verbindlichen Glauben an מות המשיח und an תחית המתים nicht hätte unterbringen können. Er postulierte aber den Glauben an sie wie an ein Dogma, weil er ein dunkles Gefühl davon hatte, daß die Hoffnung auf nationale Existenz und auf nationale Wiedergeburt erhalten bleiben muß. Und in glatter Umkehrung einer uns geläufigen Ansicht: die 13 Man! -erwartet solche Hinweise auf d'as Volcsmäjßig'e an den Stellen des More, die von Staat und! Gesellschaft handeln, und insbesondere in den großen, mitreißenden) Hilchat Melakhim, zumal׳ im ll. Perek, Monatsschrift, 79. Jahrgang