Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung Achad Haams zu Maimonides
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 9)
- Language
- German
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176 Max Grünewald ״blinde Gaube“ ist ohnmächtig. Erst die Begründung des Judentums aus den Quellen der Vernunft verhilft ihm. zur Gewißheit; erst vor ihrem Richterstuhl erhält es ein für allemal und gegenüber allen kommenden Religionsgründüngen die Beglaubigung. Das zweite Motiv für das Schaffen M.s ist in der Gewissensnot zu erblicken, in die viele Juden durch׳ die Verfolgung versetzt wurden. Zwar machte die ייVerfolgung anders wie die Inquisition vor den Toren der Häuser Hält, aber es gab öffentliche Verleügnung des Judentums und Übertretung der Gebote. ••Was‘ nützte dem Einzelnen die Glaübenstreue, wenn er in seiner Händluiigsweise fortgesetzt gegen den Glauben verstieß; Er mußte furchten, um seinen Anteil ah der zukünftigen WeEzü kommen; Deshalb bemühte sich M.; dem Unter? äußeren ׳; Zwäng stehenden Juden eine geistige Freistatt zu verschaffen; ihm ein Ziel aufzü-' richten^ däsי von äbgepreßten Lippenbekenntiiissen׳ und äbgenötigten Verfehlungen nicht beeinträchtigt wird; ein Zieh das dem Zugriff von außen entzogen ist?1• Die Erkenntnis; und sie allein vermag den Menschen zu einer Vollkommenheit zU führen; אין בה־ :מעשי» ו^:מדות•־ ואמנם’ הירדמות־בלבד?-, in der• es keine Handlung mehr :gibt,;sondern eben nur noch Erkenntnis. Neben diesen Motiven war es eine zweifache ן innere Not in der geistigen Verfassung seiner Zeitgenossen, die M. zu seinen großen Darstellungen äntrieb. Schon in dem Mischna-Kommentar und mehr noch in Mischne Torah gab er in faßlicher Form die religiöse Lehre zugleich als religiöse Pädagogik. In seinem philosophischeri Hauptwerk•;־,■kämpfte: er gegen die große Gefahr, in die die Gebildeten geraten waren: Zwischen Philosophie und Torah stehend entweder dem ״Pschat“ der Torah sich restlos 11 Achad Haam weist darauf hin, diaß M. von Anfang an bis zuletzt die Richtung seines Denkens und die Tendenz seines Schaffens beibehalten hat. Vielleicht aber hat -er von der fanatischen Bewegung der Aimohaden, unter denen er :so lange lebte, nicht nur den Anl׳a6 zum Widerspruch erhalten, sondern auch tiefe Anregungen gerade für den Ted seines. Werkes,j der sich gegen die grob-sinnlichen Vor Stellungen und die Trübung dies Gottesbegriffes richtet. Vielleicht ist auch sein betonter Widerstand gegen das Musische durch den Einfluß dieser Glaubensbewegurtg verstärkt worden; vgl. Eppenstein in: Moses ben Maimonr Leipzig, Band IX, 1914, ,S-, 9 ff. und Heiniemann o. S. 142 fl ’ ' ‘ 12 Moreh IU, 27; •■--;י"•'■־־■׳ ' '