Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung Achad Haams zu Maimonides
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 7)
- Language
- German
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174 Max Grünewald Haam zwar sieht auch in ihr keine Instanz gegen seine Auffassung. Er wird nicht müde zu betonen, daß M. die Vollmacht des Propheten begrenzt: Der Prophet kann weder die Ordnung der Torah noch die der Natur aufheben; zwischen entgegengesetzten Meinungen kann er nicht qua Prophet sondern nur qua Philosoph entscheiden8. Aber der ganze Vorgang der Prophetie und die Bedingungen, unter denen sie entsteht, wird doch von Ächad Haam nicht zulänglich gewürdigt. Nicht nur die Sonderstellung des Moses, der durch vier Grade von allen anderen Propheten geschieden ist, allen Erkennenden gegenüber eine prinzipiell verschiedene und erhabene Stellung einnimmt, beansprucht eine gesonderte Behandlung. Der Prophet als solcher unterscheidet rieh vom Bnder philosophischen Begründung des Gesetzes, die auch die Offenbarung zum Gegenstand! Kat, stellt die gesetzliche Begründung der Philosophie. Danach ist das freie Philosophieren — anders ,als hei der ״zweiten Auflclä* rung“ der Neuzeit •— gebunden an, das Gesetz. Sein Verkünder ist der Prophet •er hat den Primat vor dein Philosophen. ״Der Prophet ist Philo* sqph — Staatsmann — Seher (— Wundertäter) in einem•“4 Er ist der Repräsenitant des idealen Staates. Damit ist die Anknüpfung an die platonische Tradition hergestellt und mit ׳der Tatsache der Erfüllung des idealen Staates auch die Abweichung von Plato begründet Mit dieser Vorzugsstelung des Propheten ist auch das Zusammenwirken des geistigen imd sinnlichen Vermögens (tätiger Verstand und Einbildungskraft) bei dem Propheten zu begreifen. Diese Theorie bedarf zu ihrer Verifizierung der Gegenüberstellung mit verschiedenen Äußerungen M.sr die ihr zu widersprechen scheinen, aber auch mit dem philosophischen Selbstbewußtsein M.s. Die prinzipiellen Binwände gegen sie, die allesamt auf das Problem des Agnostizismus hinauslaufen, können hier nicht angeschnitten, geschweige denn, entschieden werden. Das verbietet sich von selbst einem Werke gegenüber, das in so durchgreifender Art die philosophische Problemstellung im Ganzen in. Bewegung setzt ~ Mehr noch als Hermann Cohen, dessen Beweisführung im einzelnen Strauß mit Recht ablehnt, bildet die Auffassung, die Strauß von M. hat, den genauen Gegensatz zu Achad Haam. 8 Nicht alle von Achad Haam angeführten Belege sind stichhaltig. Wenn er sich zum Beispiel auf die Stelle in der Einleitung zur Mischna bezieht כי השכל המבזיב עדותו יותר נאמן מן העץ שהיא רואה אותותיו so ist dazu zu sagen, daß dieser Ausspruch die im Dienste des Götzendienstes stehende Prophetie kritisiert und wohl kaum einie über diese Stelle hinausgehende allgemein© Bedeutung für sich in Anspruch nimmt.