Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung Achad Haams zu Maimonides
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839348--53366-2839480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
172 Max Grurvewald 27, 34 herleitet, stellt er in M. den Zusammenhang zwischen Minorität und Majorität wieder her und wehrt er der Gefahr einer religio depopulata. UndM. erfreut sich damit der vollen Sympathie Achad Haams, der darin wiederiim eine Annäherung an die biblische Ansicht des Judentums erblickt, die das Leben der Gesamtheit zur Zweckbestimmung auch des einzelnen Men« sehen erklärt« Es besteht die Frage, inwieweit eine solche ganz vom Philosophischen her bestimmte Anschauung noch Raum läßt für den Glauben an die Existenz eines göttlichen Gesetzes* * * * 6. Die Frage tut sich in ihrer ganzen Bedeutung auf angesichts der Art und. Weise, wie M. das Problem der Schöpfung behan״ aelt. Beweise für die Schöpfung sind nicht zu erbringen. Wenn es Beweise für die Ewigkeit der Welt gäbe, würde er nicht ahstehen, die von Aristoteles behauptete linerschaffenheit der Welt anzunehmen. Und nur dadurch, daß die für sie vorgebrachten Beweise keine Beweise sind, erhalten wir die Möglichkeit, die durch die Propheten uns mitgeteilte Schöpfung zu glauben. Das bedeutet: Wir müssen das Nichtwissen erfahren, ״um für den Glauben Platz zü bekommen“. Wobei aber Achad Häam gär kein Gewicht darauf legt, daß für M. der Glaube an die notwendige Existenz Gottes keineswegs an die Annahme des Schöpfungsglaubens gebunden ist. ־ Welche Bestimmung kann die Torah haben, deren eigener und selbstmächtiger Sinn durch die Übermacht der Vernunft in Frage gestellt ist? Sie hat die Aufgabe, auf dem Wege der gottesdienstlichen Erziehung und in gemeinverständlicher Form den Sinn für die wahren Erkenntnisse zu wecken und die sittdadHirch, claß sie, ohne in sieh selbst einen Zweck zu haben, für die Zwecke einer erleuchteten Minorität verbraucht wird und herhalten׳ muß. (Friedrieh Nietzsche: Das griechische Weib, Band: Ir Leipzig, Naumann Verlag, S. 2251 6 Die gleiche Frage stellt Cohen in charakteristischer Abwandlung von der Ethik her: >,Wie verträgt sich nun aber die philosophische Ethik — ua\d gibt es eine andere? ־— mit einer Sittenlehre, ־welche der religiösen Glau״‘ bensJehre angehör,t und ihr eingegliedert ist?'", .Hermann! Cohen, Jüdische Schriften, Dritter Band, S. 232.