Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung Achad Haams zu Maimonides
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839348--53364-2839478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
170 Max Grünewald• thexis2 die Anschauung von Gott diesen Erkenntnisbegriff her« vorbringt; denn in Gott kommt der Denkende, das Denken und das Gedachte zur Einheit. Indem nun das Denken die höchsten gedanklichen Abstraktionen ergreift, wird es gleichsam selber zu einem Teil der geistigen, von aller Stofflichkeit losgelösten Welt. Wenn wir recht sehen, ist dies der Punkt, an dem M.s Gedankenführung in platonisierende Mystik umzuschlagen scheint: In der letzten für die Menschen zu erfassenden Einheit wird das Denken zum Wachtraum,, zum׳ Schauen, und die Be« ziehung des Denkens zu seinem Gegenstand wird zur Liebe3. Die so geartete , Hinwendung zu Gott wäre — gegen Achad Haam — nicht möglich, wenn nicht die Personhaftigkeit Gottes bewußt bliebe. Dem letzten Zweck, dem Anteil des Menschen an den un« vergänglichen Erkenntnissen, ist das sittliche Handeln unter« geordnet. Es ist nicht Selbstzweck, sondern hat den Charakter der Vorstufe. Die sittliche Handlung entstammt einer Wahl. Es wird gewählt die jeweilige Mitte zwischen den beiden Ex« tremen. Das ist die Lehre Aristoteles', die M. übernimmt. Aber er unterscheidet sich von Aristoteles nach der Ansicht Achad Haams dadurch, daß er die Wahl der Mitte nicht dem gebildeten Urteil, dem sicheren sittlichen Geschmack überläßt, sondern daß er ein Prinzip angibt, das die sittliche Entscheidung motiviert. Dieses Prinzip ist nichts anderes als die Aktualisierung der Ver« nunft. Was dem dient ist anzunehmen, was ihm schadet ist *zu verwerfen4. 2 Achad Haam selbst macht darauf aufmerksam, daß M. nach Moreh HI, 27 sich die ewige Existenz dei בעלי השכל nach dem Tode sich nicht nach der Weise einer individuellen Existenz vorstellte, sondern als eine Gesamt« existenz7 in der sich alles Erkennende zusammenfindet. 3 Moreh m, 51; HI, 23. 4 Der Unterschied zwischen der Ethik des Aristoteles und der des M. wird üblicherweise darin gesehen, <$afa M. zwei Charaktereigenschaften als Ausnahmen des Prinzips der Mitte gelten läßt. Achad Haam geht auf diese Abweichung nicht ein. Mit einem gewissen Recht; denn nicht die Tatsache der Ausnahme unterscheidet (Me beiden voneinander. Auch Ari« stoteles wendet das Prinzip der Mitte nicht durchgehend an. Zunächst gibt es Affekte und Handlungen, die in sich selbst schlecht sind, nicht in! ihrem Zuviel oder Zuwenig (Nikomachische Ethik H, 6). Mit; dier aber