Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Quellenkritik des Mischneh Thora
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839345--53345-2839465- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zur Quellenkritik des Mischneh Thora 157 bedenkt, daß die auf dem Wege des הכרע הדעת ermittelte reli« gionsfreie Ethik mit dem jenseitigen Heilsbegriff gar nicht rech« net. In der tannaitischen Zeit wird man wohl noch griechische Schulen gekannt haben, die, wie z. B. die epikureische, den Be« griff des jenseitigen Heils aus ihren Spekulationen ganz ausgeschaltet haben. Auf jeden Fall ist es höchst beachtenswert, daß das Judentum schon in verhältnismäßig früher Zeit gegen religionslose Ethik im allgemeinen, auch wo sie in der Umwelt auftritt, Stellung genommen hat. Maimonides hat diese gegnerische Stellungnahme in seinen Kodex aufgenommen; denn zu seiner Zeit dürfte dieser Satz kaum praktische Bedeutung ge« habt haben. Umso wertvoller dürfte uns dieser wichtige Satz in neuester Zeit erscheinen, wo mit der Konstruktion ethischer Systeme auf rein spekulativer und naturalistischer Grundlage die kühnsten Versuche gemacht werden. Vgl. mein בחינת קיום המצוות 69 ff. und bes. S. 72. Nur noch eine kleine Ergänzung. — Es dürfte nicht ganz unbekannt sein, daß eine Reihe von sozialen Verordnungen nicht in streng juristischem Sinn, sondern im Sinne freundschaftliehen Entgegenkommens abgefaßt ist. Die alttraditionelle Ausdrucksweise ist hierfür ״ מפני דרכי שלוםwegen der Wege des, Friedens". Die Tatsache, daß derlei Verordnungen auch im Hinblick auf Nichtjuden ausgesprochen wurden, hat weniger objektive Beurteiler oder Verurteiler jüdischen Wesens zu einer Mißdeutung der Worte מפני דרכי£שלום geführt, als ob es sich hier um Absichten von Not- oder Scheinfrieden handeln würde (man vgl. D. Hoffmann, Der Schulchan Aruch2 1894, S. 48 ff.). Hoff mann hat seinerzeit den Verdacht zurückgewiesen mit dem Hinweis auf folgende Maim.-Stelle (Melakh. 10, 12): אפילו העכל״ם (הגויים) צוו חכמים לבקר חוליהם ולקבור מתיהם עם מתי ישראל, ולפרנס ענייהם בכלל עניי ישראל מפני דרכי שלם, הרי נאמר טוב ה׳ לכל ורחמיו על כל מעשיו ונאמר, דרכיה דרכי נועם וכל נתיבותיה^שלום. Dieser Text stimmt mit Gitt. 61a wörtlich überein; bloß die Bibelverse fehlen. Der Schlußvers (Mischle 3, 17) ist wohl auch im Talmud (ebd. 59b) in einem ähnlichen Zusammenhang ge-, geben. Doch erscheint es eigenartig, daß Maim. gerade im Zusammenhang mit עבדם oder גויים diesen nicht mißzuverstehenden Vers über allgemeine Friedensliebe, zitiert. — Auch hierüber