Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Quellenkritik des Mischneh Thora
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 9)
- Language
- German
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156 Michael Guttmann Toß. s. v.ולדידן לא אשכחן איסור בנדם שיתוף *אפור. c) Maim. sagt vom nichtreligiösen Ethiker:אין זה ג ר תושב ואינו מחסידי אומות העולם. M. R. E. hat hierfür bloß אין לוקחין שכרן אלא בעודדו. Auffällig ist hier zunächst der Begriff des גד תושב, der in M. R. E. ganz fehlt. Auch sachlich ist hier sein Auftreten nicht ohne weiteres verständlich. Hierin kommt vielleicht der Abstand zwischen der frühen Quelle und ihrem 1000 Jahre jüngeren Bearbeiter am schärfsten zum Ausdruck. — בר תושב war ursprünglich ein staatsrechtlicher Fachausdruck. Er galt als Be- Zeichnung für Nichtjuden, die sich als Nichtjuden in Palästina niederließen, d. h. die im jüdischen Staat bloß bürgerliehen — nicht aber auch religiösen Anschluß suchten. Für solche andersgläubigen Bürger galten die Noachidengebote als religiös-ethische Staatsgrundlage. Näheres hierüber s. mein Judentum und Umwelt, Abschn. 5, S. 98 ff. Praktisch hat die Einrichtung des Ger Toschab mit dem Ende des jüdischen Staatswesens aufgehört. Die alten Quellen sprechen wohl auch später von ihm, wie sie ja auch vom Tempelkult sprechen. Aber wenn von Nichtjuden schlechtweg die Rede ist, wird ״Ger Toschab“ nicht gebraucht. Bei Maimonides steht die Sache anders. Für ihn ist ״Ger Toschab“ der stehende Ausdruck für Nichtjuden, die die Noachidengebote einhalten. Wenn man bedenkt, daß heute z. B. nahezu die ganze zivilisierte Menschheit das zum weit größten Teil anerkennt, was den Inhalt der Noachidengeböte ausmacht, so sieht man erst recht die eigentümliche Wandlung des ״Ger Toschab“ im Sprachgebrauch des Maimonides und der von ihm abhängigen Autoren. Man vgl. inbesondere Melakh. 10, 12. — Schon dieser kurze Hinweis zeigt das selbständige Vorgehen Maimunis seiner Vorlage gegenüber. Manches hat Maimonides aus dem M. R. E.-Text ausgelassen. So z. B. fehlt bei Maimonides ואעדם שאינן משמרין את השבתות והמועדות, שהרי לא נצטוו עליהן. Mußte auch fehlen, denn aus dieser Stelle geht zumindest hervor, daß es dem Noachiden freisteht, auch andere als die Noachidengebote anzunehmen, auch die Sabbate und Feiertage, was ja nach Maimonides (a. a. O. 10, 9) nicht angeht. Vgl. mein בחינת קיום המצוות S. 74 f. Die Schlußworte in M. R. E. אין לוקחין שכרן אלא בעודדו, die bei M. ebenfalls fehlen, sind ohne weiteres verständlich, wenn man