Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 46)
- Language
- German
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Maimuni und die arabischen, Einheitslehrer 147 In diesem Sinn steht allerdings Maimuni, bewußt oder ur\״ bewußt, unter der Einwirkung der Almohaden. Sie haben ihm keine neuen Anschauungen vermittelt; aber ihr Beispiel hat ihn bestärkt, den Weg zu gehen, auf den Überzeugung und Anlage ihn bereits gewiesen hatten. Aber liegt nicht eine ungemeine Paradoxie darin, daß sich Maimuni jene Männer zum Muster genommen haben sollte, die seinem Volke, insbesondere ihm und seiner Familie namenloses Leid zugefügt und seine Jünglingsjahre verbittert haben? Nun, die Unduldsamkeit einer Richtung als solche ist für den mittelalterlichen (und frühneuzeitlichen) Menschen kein Ein״ wand gegen die Berechtigung ihrer Anschauungen220. Maimuni selbst hat sich, wie wir wissen221, durch den Eifer, mit dem die Almohaden für ihren Begriff der Einheit Gottes eintraten, nicht abgestoßen, sondern eher zur Verschärfung jüdischer Gesetze gegen Götzendienst angeregt gefühlt. Und auch wenn die Al״ mohaden darüber hinaus Unduldsamkeit gegen Juden übten, zumal das Lippenbekenntnis zu Mohammeds Sendung erzwan״ gen, so mußte das zwar Maimuni tief verletzen, brauchte ihn aber nicht zu hindern, die Größe des religiös-pädagogischen Leitgedankens der Bewegung zu empfinden und ihn gleichsam auf jüdisches Gebiet zu übertragen. Mehr als einmal hat das Judentum nicht nur Kritiker an seinen Ideen oder Einrichtungen, wie Poseidonios, Porphyrios, Kant auf sich wirken lassen, son״ dem auch ganze Bewegungen und geistige Strömungen, die als seine Gegner anzusprechen sind. Waren doch die Geistes״ absoluten Einzigkeit Gottes, das die Almohaden mit Ferner und Schwert verbreiteten, schien dem einfachen Volk sich mit der Gotteslehre der Judbn vollkommen zu decken. Waren, nun die Berber wirklich die Träger jener Wahrheit, um deren Verkündigung sich Israel! seit den Tagen Abrahams bemühte?" Ich glaube nicht, daß auf die Gewissenskonflikte, deren Ti'efe und1 Umfang gewiß nicht zu unterschätzen ist, die Reinheit der Lehre der Almohaden von Einfluß war. Ihr Gottesbegriff als solcher war ja! nicht neu. Aber allerdings lag es für gebildete Juden n!aher an ein gewisses inneres Recht ihrer Erfolge zu glauben und! den Aberglauben im eigenen Lager doppelt schmerzlich zu empfinden. 220 Jehuda Halevi, Kusari II 2 sieht geradezu ■einen! Mangel der. Philo« sophie darin, däß sie die Glaubenskämpfe nicht erklären kann. 221 S. o. S. 133 ff. 10*