Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839344--53331-2839453- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Maimuni und! die arabischen! Einheitslehrer 145 diesmal berechtigt, wenn auch in anderem Sinne, als er glaubte. Aber andererseits: hätte Gott das Volk für unbelehrbar gehal« ten, so hätte er die Thora nicht offenbart, deren Zweck nach Maimunis — im Kern zweifellos richtiger — Auffassung die religiöse Emporbildung eines Volkes ist. Und wenn nun solche Bildung nach Maimunis Voraussetzung nur zu gewinnen ist durch gewisse Anleihen bei der Wissenschaft, so erscheint sein Standpunkt, daß man auch den breiten Massen ein gewisses Maß spekulativer Aufklärung schenken soll, als notwendige Folge seiner Ansicht über die Absichten des göttlichen Gesetz« gebers. ' . Dennoch ist es auffällig, daß Maimuni mit seiner Stellung« nähme innerhalb der jüdischen Religionsphilosophie allein steht. Saadja ist im Sinne des Kalam für restlose Aufklärung: Bach ja findet sich unter dem Einfluß der mystischen Vorstellung vom Übermenschen (die er freilich rationalistisch interpretiert) damit ab, daß der Ungebildete sich Gott in Menschengestalt vorstellt; denn irgend einen Gottesbegriff muß er doch haben, und einen rein geistigen kann er nicht fassen211; andererseits warnt der Aristoteliker Ibn Daud einleitend alle Nichtgelehrten vor der Lektüre seines Buches212. Maimuni ist also der einzige, der in der Einschätzung der Menge und in der Beurteilung der Ge« fahren der Spekulation mit den Philosophen zusammengeht, aber eine teilweise Aufklärung fordert, ja, übt, weil nach ihm ein nicht einheitlicher ״Gottesbegriff' kein Gottes« Begriff ist213. Diese Isolierung Maimunis mag in persönlicher Veran« 211 Über den mystischen und den rationalistischen Begriff vom Über« menschen s. o. S. 114. Bachjas Beziehungen! zur Mystik,, d. h. zur Gnosis, lassen sich eingehender als ich es (Zweckbestimmung 37 ff.) versucht habe, durch Analyse seines dunjä «Begriffes bestimmen. Die igmostische Abhebung des erkennenden!, wachen Menschen von! dem schlummernden, ist meist weit schroffer als die rationalistische. Über seine Stellung zur Volksaufklärung vgl. S. 74 f. (- hbr. 67 ff. Stern); D. Kaufmann, Ges. Sehr, fl 75 ff. (namtl1. 76, 1 über Berührung mit Ibn Sina). 212 Es ist auch damit zu rechnen, daß!er die Begründung der Opfer« und Speisegesetze am Schlüsse der Exnuna ־rama, die zu den vorher an« geführten Prophetenstellen über den Opferkult nicht paßt, mehr aus volks« pädagogischen als aus sachlichen Gründen hinzugefügt hat. 213 Jehuda Halevi, der viel weniger philosophische Aufklärung als Monatsschrift 79. Jahrgang 10