Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 43)
- Language
- German
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144 Isaaik Heinemann währt hat, unbedenklich auf Philosophie und Philologie an. Die« selbe Lehre, die gleiche Auslegung bei zwei verschiedenen Gelehrten beweist ebenso sicher ihren quellenkritischen Zusammenhang, wie das Auftreten der gleichen Anekdote bei zwei Historikern. Daß zwei denkende Menschen unabhängig voneinander auf die gleiche Ansicht gekommen sein können, bleibt außer Betracht. Wir sahen bereits bei der Ermittlung der Quellen der arabischen Völksbil dungslehren, daß die Sache nicht so einfach liegt. Es fragt sich zunächst auch hier, ob wir überhaupt nötig haben, auf eine ״Quelle" Maimunis zurückzugehen, oder ob seine Einstellung aus seinen sonstigen ״Bildungserlebnissen" und seiner Lebenserfahrung zu erklären ist. Auch den Glauben an die Schranken der Volksbildungsarbeit hat Maimuni nicht einfach aus den Philosophen ״übernommen". Daß der Zaubertrank der Spekulation, immer gefährlich, im verdünnten Zustand tödlich wirkendes Gift ist, wie es Mommsen einmal formuliert hat, ist eine Tatsache, der sich schwerlich ein Volksbildner je verschlossen hat. Die nähere Fassung des Tatbestandes und die genauere Einsicht in seine Begründung hat Maimuni freilich der Wissenschaft zu verdanken. . . ל י «, j Dagegen gründet sich sein Glaube an Recht und Pflicht der Volksaufklärung allerdings auf literarische Autoritäten, nämlieh — Bibel und Talmud, wie Maimuni sie auf faßt. Wohl findet er in ihnen auch die Schranken der Volksbildungsarbeit anerkannt. Als Volksbuch widmet die Thora den letzten Wahrheiten der Volksanschauungslehre verhältnismäßig geringen Raum209; und wo sie von Gott spricht, redet sie ״nach Menschenweise". Noch deutlicher haben die Lehrer des Talmud erklärt, daß man die letzten Wahrheiten über Schöpfung und Überwelt der Menge nicht offenbaren dürfe — wie wir wissen, unter dem Einfluß der gleichen hellenistisch-mystischen Strömung, die auch auf die Araber von Einfluß war210; Maimunis Gleichsetzung talmudischer und arabischer Weisheit ist also 209 Vg־lu N ׳e u bmr g־ e r 37 Mitte. 210 S. o. Anm. 72 f.