Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839344--53329-2839451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Maimuni und! die arabischen! Einheitslehrer 148 philosophischen Exkurse, die er an den bekannten Stellen die« ses Kommentares einschiebt, in diesem Umfang durch den Gegenstand geboten waren, wie offenkundig sich Maimuni durch ihre Abfassung von allen Mischnaerklärern vor und nach ihm abhebt, so erkennt man, daß er geradezu einen Beruf zum jüdischen Volksaufklärer gefühlt hat, trotz klarer Einsicht in die Schranken, die der philosophischen Aufklärung gezogen sind. Und noch als er den Mischne Thora schrieb, war er an diesem Beruf trotz so mancher schmerzlicher Erfahrungen nicht irre ge« worden. Das Beispiel des Kalam und seiner hemmungslosen Auf« klärungsarbeit hat Maimuni bestimmt nicht beeinflußt. Es hat ihn eher abschrecken können; wo er dieser Talmiwissenschaft einmal recht geben mußte, ist es ihm peinlich. Aber die Volksbildungsarbeit der Almohaden war der seinigen verwandt. Hat er von ihnen gelernt208? Es mag Forscher geben, für die sich diese Schlußfolgerung von selbst versteht. Auch auf dem Gebiete der Quellenkritik herrscht vielfach ein Mechanismus, wie trotz Ghazzali und Mai« muni nicht gerade selten im Bereich der Religionsübung. Man wendet eine Methode, die sich für die geschichtliche Überliefe« rung (einschließlich der Philosophiegeschichte) durchaus be« Tor des Palastes gefunden haben. In der Konsequenz solcher Anschauungen läge, daß die Belehrung über die Unzulässigkeit der gröbsten Anthropo« m 01 phismen wenig Sinn hat. 208 Epp ens t eiin in: Moses ben Maimon II 9 fragt, ob Maimunis Ab« neigung gegen Dichtkunst etwa auf unbewußte Beeinflussung durch die Ahnohadän weist. Nun ist diese Abneigung (zur Lit. bei Bppenstein vgl. noch Geiger, Nachgelassene Schriften III 76 u. M ü n z, Moses ben Maimon 293) nicht nur wegen des Gegensatzes zu seinen Vorgängern erldärungsbedürfti g, sondern auch deshalb, weil׳ Maimuni die weite Verbreitung der kultischen Musik kennt (More III 30 Mitte) und Begründungen für die Einrichtung der Tempelimiusik gehört hat (III 46 g. E.}. Aber die Motivierung seines— zu« nächst gegen weltliche Musik gerichteten — Gutachtens (G o 1 d z i h e r, MGWJ 1873, 178 f.), nach welchem die Musik auf manche aufreizend!, auf manche büdtend wirkt, läßt!erkennen!, daß ihm die antike Diskussion über den! Wert der Dichtung und Musik (Hein e m a n! n, Pos. met. Sehr. I 98; 101, 2; auf sie spielt Galen De plac. Hipp, et Plat. 473 f. an) bekannt war; aus ihr und aus Erfahrungen) mit lüsternen oder anthropomiorphen Dichtungen er« klärt sich seine Haltung zur Genüge.