Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839344--53328-2839450- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
142 Isaak Heinemann Kritik Maimunis grundsätzlichen Gegensatz zu den reinen Gesetzeslehrern, der demjenigen eines Ghazzali und der Alrnohaden zu den Fuqaha im wesentlichen entsprach, aber auch zu solchen Philosophen, die von einem Vernunftwert des Gesetzes nichts wissen wollten. IV. Maimuni und die Almohaden. Die Untersuchung der Lehre Maimunis von der theoretischen und der praktischen Volksaufklärung führte zum gleichen Ergebnis. Obwohl er mit den Philosophen zusammengeht in dem Glauben, daß gewisse Wahrheiten der Menge nicht mitgeteilt werden können noch sollen, traut er doch den Ungelehrten eine weit größere Empfänglichkeit zu, als seine arabischen Gesinnungsgenossen es tun, ja, als es nach seinen eigenen, oft recht abfälligen Äußerungen zu erwarten stand. Auch der Mann aus dem Volke kann und soll nach ihm die metaphorische Deutung der Anthropomorphismen, günstigenfalls auch deren philologische Begründung, kennen, und er soll die Gesetze ihrem Sinn gemäß üben, die durchaus nicht nur die Ordnung des Gemeinwesens, sondern unsere religiöse Bildung bezwecken. Auf diesem Glauben an die Fähigkeit aller Juden, Lehre und Gesetze der Thora bis zu einem gewissen Grad philosophisch zu begreifen, baut sich Maimunis Volksbildungsarbeit auf, der er sich namentlich in seiner Jugend mit wahrer Leidenschaft hingegeben hat. Man darf ruhig sagen, seine Taten verraten eine noch höhere Einschätzung der Empfänglichkeit der Leser, als seine Worte. Wohl tadelt er jenen Antigonos, der den Gedanken einer selbstlosen Gesetzesübung popularisiert hat. Allein begeht er nicht die gleiche Sünde, wenn er die Ansicht des Antigonos: begründet und preist in seinem Mischna Kommentar, der gewiß nicht bestimmt ist, ״Steine zu belehren“206, aber doch durchaus nicht nur philosophisch gebildete Leser voraussetzt207. Erwägt man ferner, wie wenig die drei 206 BinL S. 61 Mitte. 207 In ׳einem, gewissen׳ Widerspruch zu seiner Aufklärungsarbeit steht auch, wenn er MarieT60 ׳ Mitte erklärt, wer Gott irgendwelche positive Attribute zuschreibt, begehe unbewußt Gottesleugnung, oder wenn! nach ni 51 die Gesetzeslehrer, die ״auf dem! Wege der Überlieferung wahre Glaubenslehren erworben haben!" (vgl. N e u b u f g־ e r 37), nicht einmal das